
Wie breiten sich neue Sprachformen in sozialen Netzwerken aus – und warum ändern sich sprachliche Konventionen, obwohl zunächst Konsens herrscht? Ein aktuelles Projekt zur kollektiven Kreativität im Sprachwandel untersucht die Verbreitung sprachlicher Neuerungen ab dem 17. Jahrhundert. Es arbeitet an der Schnittstelle von Sprach- und Wirtschaftswissenschaft und ist assoziiert mit dem Sonderforschungsbereich (SFB) 1646 „Sprachliche Kreativität in der Kommunikation“. Das Projekt nutzt agentenbasierte Modellierung. Die Methode aus der Innovationsforschung simuliert die Ausbreitung neuer Varianten – etwa technischer Produkte – in Märkten.
Übertragen auf die Linguistik, bei der unterschiedliche sprachliche Varianten die Konkurrenzprodukte verstanden werden können, hilft sie, Sprachwandelprozesse im Deutschen besser zu verstehen: Wie verbreiten sich neue Wörter oder grammatische Formen, und welche Rolle spielen dabei Mobilität von Menschen oder bewusste sprachpolitische Maßnahmen? Ziel ist es, soziolinguistische Annahmen über Sprachwandel zu überprüfen – und Sprache als soziales Innovationssystem zu modellieren. Dazu werden einzelne Akteure als berechenbare Objekte implementiert.
Beteiligte Wissenschaftler:innen