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Genderkompetenz

Genderkompetentes Agieren im Lehralltag bedeutet Geschlechterperspektiven einzubeziehen und diese zu reflektieren. Hierzu bedarf es einer grundlegendenden Vergegenwärtigung dreier Aspekte: Wissen, Können und Wollen.

Genderkompetenz umfasst das Wissen über Geschlechtertheorien und die Wahrnehmung von Geschlechterverhältnissen und -strukturen als soziale Konstruktionsprozesse und ihre Ursachen (siehe Frauen- und Geschlechterforschung, Gender Studies und Queer Studies). Zudem bezieht sie sich auf die Fähigkeit dieses Wissen im alltäglichen Handeln anzuwenden und auf individueller Ebene zu reflektieren. D.h., dass dieses Wissen hilft, eigene Vorstellungen und Umsetzungen von Weiblichkeit und Männlichkeit zu reflektieren (doing gender) sowie die eigene Verortung in Geschlechter- und andere Ungleichheitsverhältnisse zu hinterfragen und aufzubrechen (undoing gender).
Im universitären Arbeitsalltag wird dadurch ein gendersensibler Umgang mit Studierenden in Lehr- und Beratungsinteraktionen ermöglicht und Spielräume für vielfältige Lehr- und Lernformen eröffnet - abseits typischer Normvorstellung.

Der adressat*innengerechte Einsatz und die Anwendung von didaktisch-methodischen Instrumenten kennzeichnet den Aspekt des Könnens und zielt auf der Ebene des Wollens auf deren Umsetzung ab. Dies verweist auf das eigene Selbstverständnis bzw. die eigene (berufliche) Haltung:

-> Die Selbstverpflichtung der Implementierung von geschlechtergerechten Lehrinhalten und –formen, um Diskriminierungen und eine Reproduktion von Geschlechterungleichheiten zu vermeiden.

-> Die eigene Klarheit über Werte- und Normvorstellungen, um bewusst geschlechtersensibel und -gerechte Kommunikations- und Interaktionsstrukturen zu gestalten und geschlechtergerechte, klischee- und vorurteilsfreie Lehr-Lern-Räumen anzubieten.

Genderkompetenz erweitert das eigene Spektrum einer professionellen Handlungskompetenz, die erforderlich ist, um Maßnahmen und Entscheidungen geschlechtergerecht umzusetzen. Auf der Ebene von Organisationstrukturen von Studium und Lehre zielt sie darauf ab, ausgewogene Verhältnisse der Akteur*innengruppen (auch in den eigenen Fachkulturen) anzustreben, Arbeitsbereiche geschlechterparitätisch zu besetzen und geschlechterstereotype Arbeitsteilung zu vermeiden.

Nicht zuletzt gilt Genderkompetenz als Schlüsselkompetenz für zukünftige Tätigkeitsbereiche der Studierenden. Dies im Blick zu behalten und durch entsprechende Lehr- und Lernangebote zu fördern sollte unser Ziel sein.

Genderkompetenz auf einen Blick

Fachkompetenz

Wissen über Geschlechtertheorien, Geschlechterverhältnisse und -konstruktionen sowie Ungleichheitsverhältnisse; über Methoden zur Analyse von Geschlechterungleichheiten und deren Ursachen

Methodenkompetenz

Umsetzung von geschlechtssensiblen/r & geschlechtergerechten/r Handlungsstrategien und Kommunikation, Fähigkeit zum Abbau und Transformation von sozialen Ungleichheiten, Fähigkeit zur Lösung von Konflikten, die durch diskriminierende Strukturen und Prozesse entstehen

Sozialkompetenz

Fähigkeit, soziale Interaktionen und Prozesse so zu gestalten und zu transformieren, dass sie Chancengleichheit fördern; Fähigkeit zur Perspektivübernahme, Empathie für die Situation (z.B. von Minderheiten und ihr Umfeld) sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit und Kooperations- und Kompromissbereitschaft

 

Selbstkompetenz

Fähigkeit zur Reflexion eigener Identitätsvorstellungen, Denkstrukturen und Handlungsformen: Klarheit über geschlechtergerechte Werte- & Normvorstellungen, eigene Geschlechtsstereotype im „Kopf“, eigene Geschlechtsrollendarstellung (doing/undoing gender), Fähigkeit eigene gesellschaftsbiographische Prägungen als z.B. cis-Frau/cis-Mann/Trans*/Inter*, weiß/of colour, Migrant*in, (nicht-)behindert, hetero-/homo-/bi-/asexuell[1] zu reflektieren

[1] Im Sinne von Diversitykompetenz lässt sich die Auflistung auch auf andere Ungleichheitsverhältnisse und Differenzkategorien erweitern.

Auferkorte-Michaelis, Nicole/Schönborn, Anette (2009): Gender als Indikator für gute Lehre. In: Auferkorte-Michaelis, Nicole (Hrsg.): Gender als Indikator für gute Lehre: Erkenntnisse, Konzepte und Ideen für die Hochschule. Opladen: Budrich UniPress. S. 15-26.

Hilgemann, Meike/Kortendiek, Beate/Knauf, Anne (2012): Geschlechtergerechte Akkreditierung und Qualitätssicherung – Eine Handreichung. Analysen, Handlungsempfehlungen & Gender Curricula. Studien Nr. 7, Netzwerk Frauen- und Geschlechterforschung NRW. Essen.

Krämer, Judith (2015): Lernen über Geschlecht, Genderkompetenz zwischen (Queer-)Feminismus, Intersektionalität und Retraditionalisierung. Bielefeld: Transcript Verlag.

Liebig, Brigitte (Hrsg.) (2009): Handbuch Gender-Kompetenz: Ein Praxisleitfaden für (Fach-)Hochschulen. Zürich: vdf Hochschulverlag an der ETH.

Winheller, S. (2015): „Biographische Selbstreflexion und Genderkompetenz“ - Ein Seminarkonzept für die universitäre Lehramtsausbildung zum Umgang mit geschlechterbedingter Heterogenität in der Schule. In: Annette Bartsch, Juliette Wedl (HG.). Teaching Gender? Geschlecht in der Schule und im Fachunterricht. Bielefeld: Transcript Verlag, S. 461-487.

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