• Interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung (IZG)

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Interdisziplinäres Doktorand*innenkolleg „Verschieden sein anders erforschen“

Der inhaltliche Schwerpunkt des Kollegs liegt auf innovativen Forschungsmethoden, mit denen sich Materialität und Vielfalt der Bedeutungen von Geschlecht bzw. die Konstruktion und Verfestigung der Kategorie in Wechselwirkung mit anderen historischen Kategorien wie z.B. Klasse, Ethnizität, Alter und Religion untersuchen lassen. Die im Rahmen des Kollegs durchgeführten Dissertationen werden historische und aktuelle Transformationen von Geschlecht und Geschlechterverhältnissen sichtbar machen.


Promotionsprojekte:

Marijke Box

Erfahren und erzählen. Inszenierungen von innerem Erleben bei Mela Hartwig und Irmgard Keun

Die 1920er und frühen 1930er Jahre sind literarisch vor allem durch die Neue Sachlichkeit geprägt, die sich durch Nüchternheit und Neutralität auszeichnet und dadurch vom vorangegangenen Pathos des Expressionismus abgrenzt. Zu dieser Zeit schreiben Mela Hartwig und Irmgard Keun Romane und Erzählungen, deren weibliche Hauptfiguren sich nicht zuletzt durch gesellschaftliche Strukturen des Wandels mit einer Reihe von Lebensentwürfen der sie umgebenden Figuren konfrontiert sehen, die sie als Prüfsteine ihrer eigenen Existenzweise wahrnehmen und erforschen. Die Arbeit untersucht die Textverfahren und formalen Strukturen dieser fiktionalen Erlebnisse und Erfahrungen, also das Verhältnis von Textstrategie und diegetischer Wirklichkeit, und nimmt schließlich auch die Exiltexte der Autorinnen in den Blick, um nach möglichen Stabilisierungen, Veränderungen sowie den Funktionen der jeweiligen Schreibweisen vor dem Hintergrund von Exil und Vertreibung ab 1933 zu fragen.


Bernd Kappel

Geschlechtliche Selbstverständnisse unter den Bedingungen der Diversifizierung von Geschlechtervorstellungen. Eine erlebensbezogene Untersuchung mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Jugendliche und junge Erwachsene werden zunehmend mit unterschiedlichen Vorstellungen über Männlichkeit und Weiblichkeit und mit der Notwendigkeit konfrontiert, sich in unterschiedlichen Kontexten mit jeweils eigenen geschlechtlichen Selbstverständnissen zu verorten.

Zentrale Frage des Promotionsprojektes ist, auf welche Geschlechtervorstellungen und auf welche Anforderungen an ihre Vergeschlechtlichung Jugendliche und junge Erwachsene im Laufe ihres Alltagslebens treffen, wie diese subjektiv erlebt werden und wie die eigenen Selbstverständnisse und Begehren dazu im Verhältnis stehen.

Die Untersuchung bezieht sich dabei auf die konkreten Lebenskontexte, in denen Jugendliche und junge Erwachsene sich jeweils individuell bewegen. Das schließt Institutionen wie etwa Schulen und Vereine ebenso mit ein wie die eigenen und die Familien von Peers oder Aktivitäten im öffentlichen Raum. Dabei sollen die Heranwachsenden selbst zu Wort kommen, so dass ihre Perspektiven, ihr Erleben zum Ausgangspunkt der empirischen Untersuchung wird. Dabei geht es auch darum, Uneindeutiges in den Blick zu bekommen, das von Subjekten gelebt wird und/oder das ihnen in ihrem Lebensalltag begegnet. Also auch solches, dass vorerst nicht benannt werden kann oder für das im Alltagsleben bislang Worte und Aufmerksamkeit fehlen.

Umgesetzt wird das Vorhaben mittels personenzentrierter Interviews. Um den Erlebensbezug stärker in den Vordergrund zu rücken, werden die Interviews mit Elementen aus der Psychoanalyse angereichert. Fallweise werden Interviewpartner_innen ergänzend in ihrer Alltagswelt begleitet.


Holly Patch

The Gendered Materiality of Singing: An empirical study of transvocality

This doctoral research project in sociology aims to investigate the entanglement of voice, gender, and self by studying how singing is experienced by transgender and gender non-binary singers and choruses. The singing body, voice as materiality, is a site to ask sociologically relevant phenomenological and epistemological questions of gender. ‚Voice’ takes on complexity when we conceive of it not only as text, discourse, or narrative, but reattach it to the embodied speaker or singer engaged in interaction with other likewise embodied and situated others. This project focuses on the inner-experience, differentiating between the subjective, lived body (Leib) and the body as objective material (Körper). While the experience of voice is something that can only be felt and articulated by the individual, singing is a process that is at the same time social, and by turning to transgender singers to articulate critical knowledge from embodied positions, it is possible to continue to challenge the sex imperative and learn more about societal and self-conceptualizations of gender.

If to use one’s voice is to actively be in the world, then to sing is to give resonance to this being. By conceptualizing singing as a kind of ‚sensual knowledge’, transgender and non-binary vocal expression can be understood to be a joyful resource for politicism and social change. The participant-centered, experiential research design of this project strives to attend to sensuousness and respect the pursuits of transgender singing – to learn about lived experiences of transvocality and to promote best voice practices and empowerment through connection to the singing body.