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  • Maximilian Benz

    Professor für Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit – gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Heisenberg-Professur)

    Universität Bielefeld
    © Universität Bielefeld

Kontakt

Prof. Dr. Maximilian Benz

Büro: UHG C6-210
Telefon: +49 (0)521 106-3714
E-Mail: maximilian.benz@uni-bielefeld.de

Sprechstunden finden digital via ZOOM oder telephonisch statt. Bitte schreiben Sie eine Email, um einen Termin zu vereinbaren.


Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Anna Axtner-Borsutzky (Akademische Rätin a.Z.)
Dr. Britta Plaggemeier (Lehrkraft für besondere Aufgaben)
Pia Werner (Wissenschaftliche Hilfskraft)
Alicia Guderian (Wissenschaftliche Hilfskraft – SFB 1288)
Ruben Herrmann (Studentische Hilfskraft – Qualitätsfonds für die Lehre)
Sevcan Pekiner (Tutorin)

Gabriela Strob (Sekretariat)
Büro: UHG C6-201 (derzeit nur eingeschränkt besetzt)
Telefon: +49 (0)521 106-3701
E-Mail: gabriela.strob@uni-bielefeld.de


Aktuelles

Aktuelle Aufsätze

Volkssprachige Literatur und höfische Kultur um 1200. Pasticcio über eine hofklerikale Perspektive

in: DVjs 95 (2021), S. 1-21.

Für die mittelhochdeutschen Romane um 1200 läßt sich eine spezifische sozialgeschichtliche Einbettung annehmen, die Konsequenzen für ein Modell literarischer Kommunikation hat. Im Zusammenspiel von Verfassern, geistlichen Beratern – dem Hofklerus – und zunächst einmal adligen Damen entstehen die Texte, denen eine hofklerikale Perspektive auf Fragen feudaladliger Existenz eignet: Die ästhetisch komplexen volkssprachigen Texte lassen klare Problembezüge erkennen. Im Rahmen dieses Modells literarischer Kommunikation wird der Erec Hartmanns von Aue als Absage an Versuche ritterlicher Selbsterlösung gedeutet, denen der sich der göttlichen Gnade öffnende Wille des demütig Gläubigen gegenübergestellt wird. Der Tristan Gottfrieds von Straßburg scheint mit Blick auf die Protagonisten ein Negativexempel zu entwickeln, wobei durch suggestive Gestaltungsdynamiken das Abrücken der edelen herzen von Tristan und Isolde zunächst verhindert und dann umso stärker forciert wird.

Link zum Aufsatz (open access)

Ein feudaler Weltbuchroman. Erzählen im "Reinfried von Braunschweig"

in: ZfdPh 140 (2021), S. 47-66 (zusammen mit Julia Weitbrecht).

Auf verschiedenen Ebenen werden literarische Traditionen ebenso wie religiöses und naturkundliches Wissen im fragmentarisch auf uns gekommenen "Reinfried von Braunschweig" verhandelt. Dabei geht es um eine möglichst umfassende, durchgründende Darstellung, die sowohl mit Blick auf die Figurenzeichnung wie auf die zitierten Erzählmuster Fragen aufwirft, hinsichtlich des erzählten raumzeitlichen Kontinuums aber überaus stringent verfährt: Erfasst wird für ein adliges Publikum ein umfassender Weltzusammenhang in Romanform, es entsteht ein feudaler Weltbuchroman. Im Beitrag werden besonders die Verhandlungen des Minnediskurses sowie des Reproduktionsdispositivs fokussiert, um die spezifische Vermittlungsleistung des "Reinfried" zu analysieren. Die Eigenwilligkeit seines Erzählens – die besondere Figurenzeichnung und die Lösung von eindeutig semantisierten Schemata auf der Makroebene – erweist sich weniger im Sinne ästhetischer Freiräume als funktional, sondern zielt unter Nutzung der Möglichkeiten, die sich aus der Suspendierung überkommener erzählerischer Mittel eröffnen, vielmehr auf die Verbindlichkeit des Vermittelten ab.

Link zum Aufsatz

Gastvorträge im Sommersemester 2021

Im Rahmen des Forschungskolloquiums und auch des Seminars "Verliebte Helden" finden im Sommersemester zahlreiche Gastvorträge statt. Die Termine und die Informationen zur Anmeldung finden Sie auf dieser Übersicht. Beachten Sie bitte auch die Ankündigung für das Gastvorlesung "LiLi in Spätmittelalter und Früher Neuzeit" im Wintersemester.

Vorträge

26.-31. Juli 2021
XIV. Kongreß der Internationalen Vereinigung für Germanistik: "Wege der Germanistik in transkulturellen Perspektiven" (Palermo)
Sektion B11: Legendarisches Erzählen im Mittelalter. Formen, Funktionen und Kontexte der deutschsprachigen Heiligenerzählung
Vortrag: Liturgie und Legende. Voraussetzungen und Konsequenzen des Erzählens

3.-6. August 2021
EABS-Konferenz Wuppertal
Sektion: Visionary Spaces. Narrating Spaces in Vision Reports (Organisation: Michaela Geiger u. Matías Martínez)
Vortrag: Vom Bewegungsraum zum Aggregatraum. Zur Imagination von Jenseitsräumen in der Paulus-Apokalypse und der Visio Pauli

8.-10. September 2021
Freiburger Kolloquium 2021: Paradigmen und Perspektiven einer Mediävistischen Komparatistik (Organisation: Cornelia Herberichs in Zusammenarbeit mit Hugo Bizzarri, Paolo Borsa, Elisabeth Dutton u. Marion Uhlig)
Vortrag: Der fremde Text. Zur kulturgenerierenden Leistung der Rezeption biblischer Texte als Grundlegung mittelalterlicher Kultur (gem. m. Andreas Kablitz)

13.-17. Oktober 2021
Tagung "Jansenismen und Literatur in Mitteleuropa" (Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest; Organisation: Friedrich Vollhardt, Gábor Tüskés u. Christoph Schmitt-Maaß)
Vortrag: Augustins Rettung. Die Lehre von der doppelten Gnadenökonomie in Pécs

4. Mai 2022
Gastvortrag an der Universität Tübingen: "Die Schönheit der Praxis. Ästhetik und Lebenskunst an der Schwelle zur Neuzeit" (SFB 1391 "Andere Ästhetik"; Sprecherin: Annette Gerok-Reiter)

Workshop

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11. August 2021, Universität Bielefeld

Die Klanglichkeit des lyrischen Texts. Gattungstheorie und Deutung

Workshop mit Prof. Dr. Andreas Kablitz
(organisiert von Carlos Spoerhase und Maximilian Benz)

Auf dem Workshop soll eine noch nicht publizierte Monographie von Andreas Kablitz diskutiert werden, in der es um eine neue gattungstheoretische Fassung der Lyrik geht.
Lyrik habe, so die zentrale These, ihre Basis in einer Gestaltung von Sprache und nicht in der von Wirklichkeit, wie es bei dramatischer und epischer Dichtung der Fall sei. Die Gestaltung von Sprache erfolge vermittels der Begründung einer Ordnung ihrer Signifikanten. Für lyrische Texte sei dabei ein Spannungsverhältnis im Sinne einer pragmatischen Komplexität charakteristisch, das aus der Aufmerksamkeitskonkurrenz zwischen den gebildeten lautlichen Mustern und der Funktion sprachlicher Laute als Bedeutungsträger resultiere.
 


Curriculum Vitae

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2003-2009 Studium der Deutschen und Klassischen Philologie sowie der Erziehungswissenschaften, LMU München und HU Berlin

2009 Staatsexamen (Amt des Studienrats), Land Berlin

2009-2012 Lehrbeauftragter, Institute für Klassische Philologie und deutsche Literatur, HU Berlin

2012 Wiss. Mitarbeiter, Abteilung für lateinische und griechische Philologie, LMU München; Promotion, Phil. Fak. II, HU Berlin

2012-2020 Wiss. Oberassistent, Deutsches Seminar, Universität Zürich

2015 Gastdozent, Institut für deutsche und niederländische Philologie, FU Berlin

2018-2019 Professurvertreter, Germanistische Mediävistik, Universität Bielefeld

2019 Habilitation, Phil. Fak., Universität Zürich

2020 Aufnahme in das Heisenberg-Programm der DFG, Universität Bielefeld
Professur für Deutsche Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Universität Bielefeld

2022/23 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin


Publikationen

Neuerscheinung

Lateinischer Text von Robert Easting
Übersetzt und kommentiert von Maximilian Benz

Die Qualen des Fegefeuers gehören zu den bis heute bekanntesten Aspekten der christlichen Jenseitsvorstellung. Entstanden sind die eindrücklichen Straf- und Läuterungsphantasmen nicht in theologischen Traktaten, sondern in anschaulichen Erzählungen. Die Vision des Ritters Owein von einem Purgatorium, das der Heilige Patrick den Iren zur Läuterung und Besserung einrichtete, gehört zu den folgenreichsten Fegefeuer-Erzählungen: Sie wurde von der anglonormannischen Dichterin Marie de France nachgestaltet, ging in die Legenda aurea ein und beeinflusste wohl auch Hieronymus Bosch. In predigtähnlichen Passagen gelingt es dem Text aber auch, aktuelle Theologie wie Hugo von St. Victor und Anselm von Canterbury zu zitieren.

Zur Verlagshomepage

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Für ein vollständiges Publikationsverzeichnis bitte hier klicken.

Monographien

  • Gesicht und Schrift. Die Erzählung von Jenseitsreisen in Antike und Mittelalter, Berlin u. Boston 2013 (Quellen und Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 78 [312], X u. 307 S.) [Dissertation].
    Besprechungen: literaturkritik.de | Link | (Theresa Specht); ZfdA 143.3 (2014), S. 373-376 (Rudolf Suntrup); Arbitrium 33.1 (2015), S. 29-30 (Bernhard Jahn); Scientia Poetica 19 (2015), S. 345-349 (Bernhard Hollick); Das Mittelalter 21.1 (2016), S. 187-188 (Matthias Däumer); PBB 138.2 (2016), S. 281-287 (Andreas Hammer); Theologische Revue 114.6 (2018), Sp. 520 (Christoph Stenschke).
  • Fragmente einer Sprache der Liebe um 1200, Zürich 2018, 2. Aufl. 2019 (Mediävistische Perspektiven 6, 128 S.).
    Besprechungen: PBB 142.3 (2020), S. 429-433 (Martin Baisch); Germanistik 61 (2020), S. 206 (Sophie Marshall); Arbitrium 39.1 (2021), S. 13-16 (Lina Herz).
  • Arbeit an der Tradition. Studien zur literarhistorischen Stellung und zur poetischen Struktur der Werke Rudolfs von Ems, Habilitationsschrift, Univ. Zürich 2018 (269 S.).
  • Legendarisches Erzählen. Optionen und Modelle in Spätantike und Mittelalter, Berlin 2019 (281 S.; gem. m. Julia Weitbrecht, Andreas Hammer, Elke Koch, Nina Nowakowski, Stephanie Seidl u. Johannes Traulsen; Philologische Studien und Quellen 273).

Herausgaben

  • Literarische Räume der Herkunft. Fallstudien zu einer historischen Narratologie, hrsg. zus. m. Katrin Dennerlein, Berlin u. Boston 2016 (Narratologia 51), VI u. 406 S.
    Besprechungen: Das Mittelalter 23.1 (2018), S. 179-181 (Florian Kragl); literaturoutdoors.com (2017; Walter Pobaschnig).
  • Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 142.4 (2020) [als Gastherausgeber zus. m. Coralie Rippl u. Nina Nowakowski; Thema: ‹Idiosynkrasien zwischen Gott und Welt›]

Textausgabe

  • Das Fegfeuer des Hl. Patrick. Tractatus de Purgatorio S. Patricii, lat. Text von Robert Easting, übers. u. komm., Stuttgart 2020 (Mittellateinische Bibliothek), XXI u. 78 S.

Aufsätze in Zeitschriften und Jahrbüchern

  • Die Formierung des Jenseits als Bewegungsraum in Jenseitsreisen der Spätantike und des Mittelalters (Paulus-Apokalypse, Visio Pauli, Visio Tnugdali), in: Mittellateinisches Jahrbuch 46.2 (2011), S. 229-243 (zus. m. Julia Weitbrecht).
  • Faustus infaustissimus. Kontroverstheologisches aus der Hölle des Jesuitendramas, in: DVjs 87.3 (2013), S. 299-322.
  • Minnesang diesseits des Frauendienstes und der Kanzonenstrophe, in: PBB 136.4 (2014), S. 569-600.
  • Semiramis, in: ZfdPh 134.3 (2015), S. 347-368.
  • Über den 'Stil', in: DVjs 89.4 (2015), S. 666-674.
  • Otfrids Verkündigung, in: Seminar 52.2 (2016), S. 193-211.
  • 'Weltchronik'-Codices im Kontext. Umrisse eines Zürcher Skriptoriums und eine neue Quelle zur Rezeption, in: Kodex 9 (2019), S. 173-188.
  • Mittelhochdeutsche Erzählverfahren und theologisches Wissen. Bausteine einer historisch spezifischen Narratologie, in: Poetica 50 (2019), S. 53-82 (zus. m. Silvia Reuvekamp).
  • Volkssprachige Literatur und höfische Kultur um 1200. Pasticcio über eine hofklerikale Perspektive, in: DVjs 95.1 (2021), S. 1-21.
  • Ein feudaler Weltbuchroman. Erzählen im 'Reinfried von Braunschweig', in: ZfdPh 140 (2021), S. 47-66 (zus. m. Julia Weitbrecht).

Lexikonartikel

  • Reiseliteratur, in: Reallexikon für Antike und Christentum. Sachwörterbuch zur Auseinandersetzung des Christentums mit der antiken Welt 28 (2017), Sp. 951-966.
  • Himmel, Hölle, in: Literarische Orte in deutschsprachigen Erzählungen des Mittelalters. Ein Handbuch, hrsg. v. Tilo Renz, Monika Hanauska u. Mathias Herweg, Berlin u. Boston 2018, S. 271-285.
  • Der von Kürenberg, in: Handbuch Minnesang, hrsg. v. Beate Kellner, Susanne Reichlin u. Alexander Rudolph, Berlin u. Boston 2021, S. 648-653.

Aufsätze in Sammelbänden

  • Kritik der Karte. Mapping als literaturwissenschaftliches Verfahren, in: Die Zukunft der Kartographie. Neue und nicht so neue epistemologische Krisen, hrsg. v. Marion Picker, Véronique Maleval u. Florent Gabaude, Bielefeld 2013 (Kultur- und Medientheorie), S. 199-218.
  • Aeneas und Henoch im Jenseits. Zu einer vermeintlichen jüdischen Quelle von Verg. Aen. VI, in: Jenseitsvorstellungen im Orient, hrsg. v. Predrag Bukovec u. Barbara Kolkmann-Klamt, Hamburg 2013 (Religionen im Vorderen Orient 1), S. 217-243.
  • Kartâgô in Heinrichs von Veldeke Eneasroman, in: Cityscaping. Konstruktionen und Modellierungen von Stadtbildern in Literatur, Film und bildendender Kunst, hrsg. v. Therese Fuhrer, Felix Mundt u. Jan Stenger, Berlin 2015, S. 155-178.
  • Die Geburt des Purgatoriums im Medium legendarischen Erzählens, in: Orte der Imagination - Räume des Affekts. Die mediale Formierung des Sakralen, hrsg. v. Elke Koch u. Heike Schlie, München 2016, S. 389-402.
  • Exzentrisches Erzählen und staufische Erbauung. Rudolfs von Ems 'Alexander' als heterogener Text zweiter Stufe, in: Texte 'dritter Stufe'. Deutschsprachige Antikenromane als Musterfälle romanisch-deutschen Literaturkontakts. Akten der Tagung Stuttgart, 25.-26.2.2015, hrsg. v. Stephanie Seidl u. Marie-Sophie Winter, Berlin u.a. 2016, S. 141-159.
  • Afterworld Spaces in Medieval Visionary Texts of Irish Provenance, in: A Fantastic and Abstruse Latinity? Hiberno-Continental Cultural and Literary Interactions in the Middle Ages, hrsg. v. Wolfram R. Keller u. Dagmar Schlüter, Münster 2017 (Studien und Texte zur Keltologie 12), S. 117-140.
  • Heteronomien und Eigensinn. Die Werke Rudolfs von Ems im Spannungsfeld von Politik, Religion und Kunst, in: Mäzenaten im Mittelalter aus europäischer Perspektive. Von historischen Akteuren zu literarischen Textkonzepten, hrsg. v. Bernd Bastert, Andreas Bihrer u. Timo Reuvekamp-Felber, Göttingen 2017 (Encomia Deutsch 4), S. 105-124.
  • Die Zeit des Ichs. Experimentelle Temporalität bei Oswald von Wolkenstein, in: Von sich selbst erzählen. Historische Dimensionen des Ich-Erzählens, hrsg. v. Sonja Glauch u. Katharina Philipowski, Heidelberg 2017 (Studien zur historischen Poetik 26), S. 99-129 (gem. m. Christian Kiening).
  • Elemente einer historischen Poetik des Staunens um 1200, in: Poetiken des Staunens, hrsg. v. Mireille Schnyder u. Nicola Gess, München 2019, S. 171-187.
  • München 1510: Ein Schauspiel vom Tode, in: Medialität. Historische Konstellationen, hrsg. v. Christian Kiening u. Martina Stercken, Zürich 2019 (Medienwandel - Medienwissen - Medienwechsel 42), S. 247-256.
  • Honicmaeziu maere. Zur Welthaltigkeit legendarischen Erzählens bei Rudolf von Ems und Reinbot von Durne, in: Die Versuchung der schönen Form. Spannungen in 'Erbauungs'-Konzepten des Mittelalters, hrsg. v. Susanne Köbele u. Claudio Notz, Würzburg 2019, S. 245-266 (Historische Semantik 30; gem. m. Julia Weitbrecht).
  • Chronotopoi des Sangs (Veldeke, Rugge und Morungen) - mit einer Neuedition von MF 106,24ff., in: Raum und Zeit im Minnesang. Ansätze - Spielarten - Funktionen, hrsg. v. Annette Gerok-Reiter, Anna Sara Lahr u. Simone Leidinger, Heidelberg 2020 (Studien zur historischen Poetik 29), S. 109-127.
  • Rudolfs Stil, in: Rudolf von Ems. Beiträge zu Autor, Werk und Überlieferung, hrsg. v. Elke Krotz, Norbert Kössinger, Henrike Manuwald und Stephan Müller, Stuttgart 2020 (ZfdA Beihefte 29), S. 49-62.
  • Verrätseltes Erzählen vom Mysterium. Wer nimmt was auf Munsalvaesche wahr?, in: Darstellung und Geheimnis in Mittelalter und Früher Neuzeit, hrsg. v. Jutta Eming u. Volkhard Wels, Wiesbaden 2021 (Episteme in Bewegung 21), S. 125-140.

Kleinere Beiträge

  • Mehrschichtige, komplexe Transformationsprozesse, in: Transformation. Ein Konzept zur Erforschung kulturellen Wandels, hrsg. v. Hartmut Böhme, Lutz Bergemann, Martin Dönike, Albert Schirrmeister, Georg Toepfer, Marco Walter u. Julia Weitbrecht, München 2011, S. 54-56.
  • Somatosemiose. Mediale Ensembles zwischen Körper und Sinn bei Otfrid von Weissenburg, in: Newsletter des NCCR Mediality 15 (2016), S. 3-9.

Lehrveranstaltungen

Sommersemester 2021

Link zum eKVV mit den Veranstaltungen früherer Semester

 

Vorlesung

230107 Einführung in die Mediävistik (Mo 10-12)

23-GER-Portal 

Preziosen ungeahnter Schönheit sind auf uns gekommen und doch ist die Beschäftigung mit mittelhochdeutscher Literatur voraussetzungslos kaum möglich. Die Vorlesung gibt einen Überblick über lyrische, epische und dramatische Texte des Mittelalters und versucht zugleich in die literar-, geistes-, medien- und sozialgeschichtlichen Voraussetzungen ihrer Entstehung und Rezeption sowie ihres heutigen Verständnisses einzuführen. Im Zentrum jeder Sitzung stehen ein oder zwei Texte, die intensiv analysiert werden. Es gilt, Texte zu entdecken, deren Sinnhorizont aus Vorgaben resultiert, die außerhalb ihrer selbst liegen, die aber doch auch einen beträchtlichen Eigensinn entwickeln können; Texte, die als genuine Werke eines Verfassers nicht unbedingt mehr zu greifen, sondern von den Wegen der handschriftlichen Überlieferung mitgestaltet sind; Texte, die aus heutiger Perspektive 'fremd' wirken und doch immer noch ästhetisch faszinieren.

Literatur: Meinolf Schumacher: Einführung in die deutsche Literatur des Mittelalters, Darmstadt 2010 (bitte anschaffen).

 

Seminare und Kolloquium

230108 Verliebte Helden (Mo 14-16)

23-GER-PAdSL, 23-LIT-BM (Bachelor)

Liebe ist eines der großen Themen der Literatur – dies gilt auch für die volkssprachigen Romane des Mittelalters. Doch wie läßt sich von einem "großen Gefühl" erzählen? Welche Bedeutung erfährt die Liebe im Romanzusammenhang? Wir werden in Auszügen unterschiedliche Romane lesen, darunter auch die ganz berühmten wie etwa den "Tristan" Gottfrieds von Straßburg, aber auch unbekanntere, die für unser Thema aufschlußreich sind. Einbezogen wird auch die Frage der Männerfreundschaft und möglicher (verdeckter) amouröser Konnotationen. Ein besonderer Akzent liegt auf der Figurenzeichnung.

Literatur: Matthias Meyer, Versuch über die Schwierigkeiten des Artusromans, über die Liebe zu erzählen, in: Der Tod der Nachtigall, hg. v. Martin Baisch u.a., Göttingen 2009, S. 151-169.

230110 Mythisches Analogon. Die thematische Bindung von Formkategorien (Di 16-18)

23-DAF-M-DAFGER-GLit, 23-LIT-M-LitAM1 (Master)

Die Untersuchung formaler Aspekte gehört zu den literaturwissenschaftlichen Kernaufgaben. Doch inwiefern hat "Form" auch "Bedeutung"? Lassen sich Formeigenschaften von Texten semantisch füllen? Diese gerade für die Untersuchung des Stils – als einer holistischen Kategorie – wichtige Problematik verspricht auch Aufschluß für die Abgrenzung künstlerischer (künstlicher) Rede von Alltagskommunikation. Wir wollen im Seminar ausgehend von dem einschlägigen (und in der jüngsten Diskussion vielfach aufgegriffenen) Entwurf Clemens Lugowskis Romane des 16. Jahrhunderts interpretieren.

Literatur (Teildigitalisate werden im Lernraum zur Verfügung gestellt): Romane des 15. und 16. Jahrhunderts. Nach den Erstdrucken mit sämtlichen Holzschnitten, hg. v. Jan-Dirk Müller, Frankfurt a.M. 1990; Clemens Lugowski, Die Form der Individualität im Roman [1932]. Mit einer Einleitung von Heinz Schlaffer, 2. Aufl., Frankfurt a.M. 1994. Cordula Kropik, Gemachte Welten. Form und Sinn im höfischen Roman, Tübingen 2018. Hartmut Bleumer, Ereignis. Eine narratologische Spurensuche im historischen Feld der Literatur, Würzburg 2020.

230111 Forschungskolloquium: Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit (m. Meinolf Schumacher u. Ulrich Seelbach) (Mi 14-16)

Im Forschungskolloquium lesen und besprechen wir aktuelle Publikationen zur germanistischen Mittelalter- und Frühneuzeitforschung und hören zudem Gastvorträge, die gezielt vorbereitet werden. Teil des Forschungskolloquiums ist ein Workshop zur "Klanglichkeit des lyrischen Texts" (Termin folgt). Es besteht die Möglichkeit, Abschlußarbeiten zur Diskussion zu stellen.

 

Lehrprojekt

Digital durchs Fachportal – Einführung in die Mediävistik
(Qualitätsfonds für die Lehre, Universität Bielefeld, Sommersemester 2021)

Die Studieneingangsphase ist für den weiteren Verlauf des Studiums entscheidend, gleichzeitig wird den Studierenden viel Neues zugemutet. Durch die infolge der Umstellung auf digitale Lehre forcierte Diversifizierung der Formate auch im Genre der Einführungsvorlesung haben sich Perspektiven auf eine stufengerechte, binnendifferenzierte Lehrform eröffnet, die synchrone und asynchrone Elemente verbinden läßt, die Ergebnissicherung verbessert und die Aktivierung der Studierenden fördert. Der Vortrag durch den Dozierenden im Hörsaal wird dabei ergänzt durch interaktive Formate. Das Modell läßt sich sowohl ausschließlich digital als auch in hybriden Formen oder im Präsenzbetrieb durchführen.


Forschung

Aktuelle Projekte

Beteiligungen

seit 2018

  • Mitglied, Kuratorium, Zentrum für historische Mediologie (Univ. Zürich)
  • SNF Projekt "Hybride Zeiten" (Univ. Zürich, Leitung: Christian Kiening)

seit 2021

  • assoziiertes Mitglied des SFB 1288 "Praktiken des Vergleichens" (Universität Bielefeld)
  • Mitarbeit im Projekt "Kollaborative Literaturgeschichte digital und interaktiv" (OERContent.nrw)
  • Mitglied des Arbeitskreises "Text & Textlichkeit" der Fritz Thyssen Stiftung

 

Eigene Projekte

Die Emergenz moralischer Subjektivität an der Schwelle zur Neuzeit (Wissenschaftskolleg zu Berlin, in Zusammenhang mit dem SFB 1288 und meinem DFG Heisenberg-Projekt)

Moralische Subjektivität, also die Möglichkeit, die Grundsätze des Handelns ‹aus sich› heraus zu entwickeln, ist, so scheint es zumindest, mit einem christlichen ordo unvereinbar. Besonders einflußreich, aber auch vielfach kritisiert, hat Michel Foucault die pagane Antike mit ihren Selbsttechniken, die es Individuen erlauben, sich als moralische Subjekte zu begreifen, dem Christentum gegenübergestellt – mit Folgen bis in die Moderne, sofern man auch hier das Subjekt à la française nicht als ‹souverän›, sondern (mit Friedrich Nietzsche noch immer) als ‹unterworfen› begreift. 

Unabhängig von normativen Implikationen und diesseits einer Dichotomie von ‹Bruch› und ‹Kontinuität› soll mit Blick auf genuin christliche Selbsttechniken, die sich nachgerade im Spätmittelalter in je unterschiedlichen Anschlüssen an den umfassend geltenden Imperativ einer imitatio Christi herausbilden, eine Komplementär- (und keine Vor-) Geschichte moderner Subjektivität herausgearbeitet werden. 

Die Selbsttechniken von Mystikern und ‹modernen Devoten› entwickeln unter Nutzung von Textproduktionsmechanismen die Schaffung eines ‹Ichs›, das nicht in der Erfüllung eines Regelkodex besteht, sondern sich selbst konstituiert: Man kann diesen Zusammenhang pointieren im Sinne einer christomimetischen Poiesis der Existenz. Nicht nur im ‹langen› 15. Jahrhundert, dem Säkulum sowohl der Reform als auch der Latenz, lassen sich diese textinduzierten Selbsttechniken beobachten, sondern – auf je unterschiedliche Weise – auch im reformatorischen Anschluß an spätmittelalterliche Frömmigkeit sowie in der gegenreformatorischen Reaktion.

 

Praktiken der Selbstvergleichung. Ethische und hermeneutische 'imitatio'-Konzepte an der Schwelle zur Neuzeit

(Nachantrag für ein Teilprojekt SFB 1288, in Vorbereitung; in Zusammenhang mit dem DFG Heisenberg-Projekt)

 

Druckgeschichten. Volkssprachiges Erzählen und theologisches Wissen im 16. Jahrhundert
(DFG Heisenberg-Projekt)

Die volkssprachigen Texte des 16. Jahrhunderts wurden lange Zeit für ästhetisch unbefriedigend gehalten. Zwar sind solche Wertungen seit längerem obsolet, die Literatur des 16. Jahrhunderts erfährt allerdings immer noch nicht die nötige Aufmerksamkeit – mit der Erforschung der Prosaromane als Ausnahme. Eine besondere Herausforderung ist das komplexe Ineinander von Aspekten des Medienwandels einerseits, der sich je für Gattungen unterschiedlich darstellt, der besonderen Bedingungen literarischer Produktion im Zeichen konfessioneller Auseinandersetzungen andererseits. Die Prozesse, die gerade auch unter der Nutzung neuer Publikationsformen zur Herausbildung einer Öffentlichkeit führen, sind insgesamt gut aufgearbeitet; dabei sind allerdings zunächst Gattungen mit offensichtlichem Bezug zu kontroverstheologischen Auseinandersetzungen wie das Flugblatt sowohl sprach- wie literaturwissenschaftlich untersucht worden. Mögliche Verbindungen gerade theologischer Wissensbestände mit genuinen Erzählweisen im Feld von Kurzerzählungen und Romanen sind bislang aber selten erwogen worden.

Prominente Arbeiten zur ‚Wissenspoetik‘ haben vielmehr an der Ökonomie angesetzt. Ohne Zweifel spielt der ökonomische Diskurs im 16. Jahrhundert eine große Rolle, allerdings scheint seine Privilegierung gegenüber theologischen Fragen selbst dort, wo sich beides wie etwa in der wichtigen Frage der Haushaltung verbindet, Ergebnis eines diskursarchäologischen Interesses zu sein und bleibt gegenwartsbezogen. Demgegenüber ist zu konstatieren, dass gerade die konfessionelle Spaltung zu einer weitestgehenden ‚Durchformung‘ der laikalen Kultur durch theologische Wissensbestände führt. In heuristischer Perspektive erscheint es deshalb sinnvoll, tentativ zur Erforschung der Literatur des 16. Jahrhunderts theologisches Wissen als relevanten Kontext anzulegen.

Dafür bietet die dichte Quellensituation des 16. Jahrhunderts eine vorzügliche Ausgangslage, die für die Erschließung der Texte nicht konsequent genutzt wird. In meinem Projekt soll, bezogen auf konkrete Einzelfälle, aber mit einer einheitlichen methodischen Stoßrichtung, das Problem der Relationierung von Text und Kontext in Verbindung gebracht werden mit der Frage nach Genese und Transformation von Erzählweisen. Dass dabei (kontrovers‑)theologisches Wissen besonders wichtig ist, liegt vor allem auch daran, dass theologische Wissensbestände in besonderem Maße nicht nur durch ihren propositionalen Gehalt ausgezeichnet sind: Im Bereich der Religion ist der Wissensgehalt – wie etwa die Möglichkeiten des Bibliolekts zeigen – häufig mit einer spezifischen Ausdrucksform verbunden, wobei allerdings die innerhalb kontroverstheologischer Diskussionen erhöhte Aufmerksamkeit zu besonderen Effekten führt. Im Rahmen kontroverstheologischer Auseinandersetzungen kann man etwa an die Karikierbarkeit spätscholastischer Diktion denken, darüber hinaus lassen sich aber ganz grundsätzlich im Sprachgebrauch konfessionelle Marker erkennen. Als konkreter, heuristisch wertvoller Ansatzpunkt der Rekonstruktion eines historisch adäquaten Text-Kontext-Verhältnisses bietet sich das Programm der Offizinen an – die Forschung hat hier etwa für die Historia von D. Johann Fausten bereits angesetzt, dabei zunächst allerdings nur das konfessionelle Profil des Druckers (und möglichen Kompilators) Spieß herausgearbeitet; zur konfessionellen Bindung von Offizinen liegen zahlreiche Arbeiten mit regionalem Schwerpunkt vor, aber auch in literaturgeschichtlicher Hinsicht ist das Programm von Offizinen aufschlussreich. Das theologische Profil, das sich aus den Druckprogrammen ergibt, wurde bislang aber kaum in Verbindung gebracht mit konkreten Erzählweisen.

Demgegenüber soll gerade die Erforschung möglicher Interferenzen zwischen Form-, Medien- und Wissensgeschichte dazu beitragen, die besondere Erzählweise der erzählenden Literatur des 16. Jahrhunderts, gerade auch der Prosaromane, diesseits der von Clemens Lugowski entwickelten Kategorien zu beschreiben. Seine Arbeit über die Form der Individualität im Roman ist nach ihrem Erscheinen 1932 und insbesondere nach dem Krieg kaum gewürdigt worden, hat aber in den vergangenen Jahrzehnten eine erhöhte Aufmerksamkeit erfahren. Zu Recht wurde bei aller Problematik ihre heuristische Kraft zur Beschreibung neuer Erzähltypen betont, sodass die Kategorien Lugowskis – besonders etwa die ‚Motivation von hinten‘, das ‚Gehabtsein der Figuren‘ oder die ‚thematische Überfremdung‘ – die Analyse der Literatur des 16. Jahrhunderts prägen. Es handelt sich allerdings um sehr allgemeine Kategorien, die für den Umgang mit vorgoethezeitlicher Literatur als brauchbar erwiesen, jedoch liegt die besondere Attraktivität in der thematischen Bindung von Formkategorien. Hier lassen sich mit Blick auf Figurendarstellung und Ereignisverknüpfung gerade unter Rekurs auf theologisches Wissen fallbezogen spezifischere Verknüpfungen anstellen.

Eine in diesem Sinne integrative Perspektive ist auf die vielfältige Literatur des 16. Jahrhunderts auszuweiten. So bietet es sich beispielsweise an, die Straßburger Offizin Jakob Cammerlanders und die in ihr erschienenen Werke eingehend zu betrachten. Unter dem Pseudonym Jakob (Johannes, Martin) Vielfeld (Polychorius, Multager, Multicampianus) trug er maßgeblich zum an sich populär ausgerichteten Programm seiner Offizin bei, indem er nicht nur kompilierte (u. a. eine Ketzerchronik oder eine Fazetien-Anthologie), sondern ältere Werke (z. B. den dt. Lucidarius, die dt. Ausgabe von Boccaccios Decamerone, den Fortunatus oder den Ritter vom Thurn) auch bearbeitete und dabei häufig im Sinne des Protestantismus eingriff. Über die oft noch maßgebliche Quellenforschung des 19. Jahrhunderts hinaus wurden einzelne Werke im Zusammenhang thematischer Fragestellungen untersucht, eine weitergehend integrative Perspektive aber nicht angewandt, die über allgemeine Feststellungen hinausginge. Es lassen sich aber nicht nur die jeweiligen von Vielfeld kompilierten oder bearbeiteten Werke in einen Zusammenhang stellen, sondern es kann sich auch lohnen, die weitere, in der Offizin erschienene Literatur in die Betrachtung einzubeziehen. Gerade die Engführung von Kontextmodellierung und Darstellungsverfahren steuert dabei einer für die Frühneuzeitforschung konstatierten (und inkriminierten) Tendenz zum ‚Neopositivismus‘ gegen.

 

Umgangsweisen mit der Verbindlichkeit volkssprachiger Literatur. Perspektiven auf den Wandel des Romans um und nach 1220 (DFG Heisenberg-Projekt)

Ähnlich wie die Literatur des 16. Jahrhunderts werden die vollständig auf uns gekommenen Romane der volkssprachigen Literatur um und nach 1220 – Wirnts von Grafenberg Wigalois, Konrad Flecks Flore und Blanscheflur, Strickers Daniel von dem blühenden Tal und sein Karl, Rudolfs von Ems Barlaam und Josaphat sowie Willehalm von Orlens, Heinrichs von dem Türlin Crône – von der Forschung seit langem nicht mehr mit dem Epigonalitätsverdacht betrachtet, der auch hier ausgehend vom 19. Jahrhundert die Beschäftigung prägte. Dennoch sind die literarhistorische Stellung dieser Texte und ihr Zusammenhang nicht befriedigend geklärt. Eine Gesamtsicht der Literatur der Zeit um und nach 1220 ist in letzter Zeit nicht verfasst worden, sodass eigentlich überholte Etikettierungen, vor allem die des ‚Nachklassischen‘ zumindest behelfsmäßig immer noch gebraucht werden. Eine konzeptionell weiterführende Ausformulierung dessen, was unter ‚Nachklassik‘ verstanden werden kann, hat Walter Haug vorgelegt. Mit besonders weitem Fokus hat er das Chrétiensche Strukturmodell als Ausgangspunkt gesetzt und es somit implizit zum zentralen Charakteristikum des ‚Klassischen‘ erhoben.  

Es ist die in der Projektarbeit zu prüfende Hypothese des Projekts, dass die Romane auf je eigene Weise mit dem Problem der Verbindlichkeit volkssprachiger Literatur umgehen. Verbindlichkeit ist als literarhistorische Kategorie für den Diskussionszusammenhang bereits eingeführt, soll hier jedoch in spezifischer Weise erweitert werden. Es geht nicht um die Entwicklung einer starren Typologie, vielmehr scheint Verbindlichkeit als mittlere Kategorie, die sich der Dichotomie von ‚wahr‘ und ‚falsch‘ ebenso widersetzt, wie sie es vermeidet, ein (historisch so nicht adäquat formulierbares, aufgrund der Implikationen unumgänglich anachronistisches) Fiktionalitätskonzept postulieren zu müssen, dabei aber integrierbar ist in ein Modell literarischer Kommunikation, das einerseits von der heteronomen Bindung der mittelhochdeutschen Erzählliteratur ausgeht, andererseits aber auch Freiräume literarischen Eigensinns zu beschreiben vermag. Transzendiert wird dabei auch eine historisch wohl inadäquate Dichotomisierung von didaktischem und ästhetischem Anspruch. 

Zunächst wird der Fokus – gegen die Usancen der Erzählforschung – nicht nur auf den Modus des Erzählens gelegt, sondern auch auf das Erzählte, was erst in einem zweiten Schritt die Art und Weise des Erzählens miteinschließt. Damit wird die besondere Bedeutung reflektiert, die die materia in den poetologischen Diskussionen der Zeit einnimmt. Der Verbindlichkeitsgrad der Romane ist skalierbar und auf unterschiedlichen Ebenen anzusetzen, wobei zunächst die Kernaspekte von Figur, Zeit, Raum und Handlung zu unterscheiden sind. Verbindlichkeit meint die Übereinstimmung zwischen literarischer Darstellung und normativem Bezugssystem, das je nach Text und Kategorie zu beschreiben ist. Insofern leistet auch dieses Projekt einen Beitrag zu einer historisch spezifischen Narratologie. Es ist möglich, dass ein Text auf verschiedenen Ebenen durch eine Erhöhung des Verbindlichkeitsgrads ausgezeichnet ist (so etwa Rudolfs Willehalm von Orlens); es kann aber auch sein, dass zwar mit Blick auf die Figur der Verbindlichkeitsgrad erhöht, durch eine disparate Einbindung der Figur in den Handlungszusammenhang diese Erhöhung des Verbindlichkeitsgrads wiederum unterminiert wird (wie man mit Blick auf Gawein in Heinrichs Crône feststellen kann): Es stellen sich dann interpretativ zu lösende Anschlussfragen. 

Die Untersuchung der Romane um und nach 1220 dient der Erhellung einer der wesentlichen Formierungsphasen volkssprachigen Erzählens im Mittelalter, wobei die literarhistorische Stellung der Texte durch ihre Verortung in einem Modell literarischer Kommunikation erschlossen werden soll. Nach Umgangsweisen mit dem Verbindlichkeitsgrad volkssprachiger Romane zu fragen, setzt zunächst voraus, die Bezugnahme der literarischen Texte auf die vorfindliche volkssprachige Tradition mit den literarisch transformierten Wissensbeständen (Genealogie, Geschichte, Herrschaft, Recht, Religion) und ihren jeweiligen formästhetischen und narrativen Implikationen in Verbindung zu bringen.

Frühere Beteiligung an Forschungsprojekten

2009-2012 Stipendiat, EXC "Topoi" (HU und FU Berlin) und SFB "Transformationen der Antike" (HU Berlin, Leitung: Hartmut Böhme)

2013 Mitarbeiter, NCCR "Mediality" (Univ. Zürich, Leitung: Christian Kiening)

2014, 2016/2017 Koordinator, SNF Sinergia "Poetik und Ästhetik des Staunens" (Univ. Zürich, Leitung: Mireille Schnyder)

2015-2019 Mitglied, DFG-Netzwerk "Legendarisches Erzählen. Formen, Funktionen und Kontexte der deutschsprachigen Heiligenerzählung" (mit Julia Weitbrecht, Elke Koch, Andreas Hammer, Nina Nowakowski, Stephanie Seidl und Johannes Traulsen)

2018-2019 Mitglied, Einstein-Zirkel "Asynchronien" (FU Berlin, Leitung: Jutta Eming)

 


Pietas litterata

Internationales Jahrbuch für religiöses Wissen in der deutschen Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit

Herausgegeben von Maximilian Benz, Andreas Bihrer, Andreas Mauz und Aleksandra Prica

Redaktion: Anna Axtner-Borsutzky

Das Jahrbuch Pietas litterata ist ein Publikationsorgan für eine philologisch ausgerichtete, interdisziplinär orientierte Forschung zur Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit. Deren Kontexte sind häufig theologische, zu ihrer Erschließung ist aber auch geschichtswissenschaftliche, philosophiegeschichtliche und historisch-soziologische Expertise wichtig. Die seit Längerem diskutierte Frage nach dem Verhältnis von Literatur und Wissen wird vor dem Hintergrund eines erweiterten Literaturbegriffs mit Blick auf die vielfältigen Formen religiösen Wissens in Texten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit fallbezogen adressiert. 

Der Titel des Jahrbuchs geht zurück auf das von Melanchthon geprägte Schlagwort ‚pietas litterata‘, das im Anschluss an Cicero eine „Konkordanz von christlicher Gesittung und literarischer Bildung“ (Wilhelm Kühlmann) forderte; es soll hier aber allgemein für den Zusammenhang von Theologie, Frömmigkeit und literarischer Produktion stehen, der für Texte des Spätmittelalters und des ‚Konfessionellen Zeitalters‘ von größter Bedeutung ist. Entgegen der im Gefolge der nationalsprachlichen Begründung der Philologien üblichen Scheidung volkssprachiger und lateinischer Texte liegt der Schwerpunkt des Jahrbuchs auf der deutschen Literatur des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit unter Einschluss des Lateinischen. Von Interesse sind aber auch komparatistische Perspektiven auf europäische Literaturen ausserhalb des deutschsprachigen Raums.

Im Zentrum des Jahrbuchs, das jeweils im Frühjahr im Anton Hiersemann-Verlag (Stuttgart) erscheint, stehen Studien, die durch ausführliche (Sammel-)Besprechungen sowie Gespräche zu Fragen von Methode und Gegenstand ergänzt werden.

 

English version

Pietas litterata is an international yearbook dedicated to philological and interdisciplinary research in the literature of the Late Middle Ages and the Early Modern Period. In spite of its overt religious and theological character, this literature also demands historical, philosophical and sociological analysis for its full appreciation. The yearbook publishes case studies that address longstanding questions regarding the relationship between literature grasped broadly and diverse forms of religious knowledge operative in late medieval and early modern texts.

The yearbook’s title harks back to the phrase ‘pietas litterata’ coined by Melanchthon, who drew on Cicero to claim a “concordance of Christian ethos and literary formation” (Wilhelm Kühlmann). In the present context, the term refers more specifically to the connection between theology, piety and literary production that was of utmost importance for texts of the Late Middle Ages and the ‘denominational age.’ In contradistinction to the separation of vernacular and Latin texts prevalent in the wake of emerging national philologies across Europe, Pietas litterata places particular emphasis on late medieval and early modern German literature and Latin literary works. Comparative perspectives on European literatures outside the German-speaking lands are also welcome.

The yearbook is a peer-reviewed publication that appears every spring with Anton Hiersemann Press based in Stuttgart. It contains scholarly essays in German and English accompanied by detailed reviews of scholarly monographs and anthologies as well as conversations about new methodologies and subject matter. 


Gastvorlesung "LiLi in Spätmittelalter und Früher Neuzeit"

Prof. Dr. Christian Kiening / Ricardo Stalder (Univ. Zürich)

Mittwoch, 15. Dezember 2021, 18 Uhr

Die Spätmittelalter- und Frühneuzeitforschung eröffnet der Fakultät für Linguistik und Literaturwissenschaft eine integrative Perspektive. Sie stellt einen durch methodische, systematische und historische Interessen verbundenen Zusammenhang dar. Neben der Frage des Ver­hältnisses einer genuinen Kultur- zu einer Literaturwissenschaft ist es vor allem der Zusammenhang linguistischer und literaturwissenschaftlicher Forschung, der einer intensiven Diskussion bedarf. Bei aller gebotenen Aus­differenzierung hat sich eine weitgehende Trennung der beiden Teildisziplinen als unvorteilhaft erwiesen; gerade die ‹Digital Humanities› bieten Gelegenheit, die beiden Elemente der Philologien in neuer Weise zusammenzuführen.

Eine einmal im Jahr stattfindende Gastvorlesung ‹LiLi in Spätmittelalter und Früher Neuzeit› soll für die Verbindung von Sprach- und Literaturwissenschaft mit besonderem Augenmerk auf Fragen der Digitalisierung neue Impulse liefern. Sie wird von einer renommierten Forscherin/einem renommierten Forscher gehalten, die/der an der Schnittstelle von sprach- und literaturwissenschaftlicher Forschung im Spätmittelalter oder in der Frühen Neuzeit arbeitet. Die Vorlesung wird vorbereitet werden durch einen Workshop für Nachwuchs­forscherinnen und ‑forscher, auf dem an konkreten Problemstellungen aus Qualifikationsarbeiten die Implikationen einer vertieften Zusammenarbeit zwischen Linguistik und Literaturwissenschaft diskutiert werden sollen.

Es ist uns eine besondere Ehre, daß wir für die erste Gastvorlesung Prof. Dr. Christian Kiening gemeinsam mit Ricardo Stalder (Zürich) gewinnen konnten. Das Thema der Gastvorlesung und nähere Informationen zum Nachwuchsworkshop werden zu Beginn des Wintersemesters mitgeteilt.

Links zur Webseite von Prof. Dr. Christian Kiening und zum Projekt ‹Hybride Zeiten. Temporale Dynamiken 1400-1600›.


Graduiertenstipendien

zur Spätmittelalter- und Frühneuzeitforschung

Für Dissertationsprojekte gibt es vielfältige Fördermöglichkeiten, die größtenteils institutionelle Einbindung und didaktische Begleitung einschließen. Auch die Förderung von kürzeren Aufenthalten an Forschungsbibliotheken und -archiven ist möglich. Was allerdings fehlt, sind niedrigschwellige Angebote, die es ermöglichen, weiterführende Exposés zu entwickeln oder Dissertationsschriften konzentriert abzuschließen (Anschub- und Abschlußfinanzierung).

Diese Lücke wird nun geschlossen werden, indem sich Graduierte textauslegender Disziplinen (Theologie, Geschichte, Soziologie, Recht, Philosophie, Literatur- und Kulturwissenschaft) mit einem Forschungsinteresse an Spätmittelalter und Früher Neuzeit für einen Aufenthalt von mindestens sechs und maximal neun Monaten an der Universität Bielefeld bewerben können. Die Rahmenbedingungen zur finanziellen Förderung werden durch die Förderrichtlinien des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vorgegeben (Promovierende erhalten monatlich 1.350 Euro).

Die Breite der Fächer entspricht dem in der Spätmittelalter- und Frühneuzeitforschung seit langem aus Sachgründen praktizierten Prinzip der Interdisziplinarität. Die Einbindung von Stipen­diatinnen und Stipendiaten in Forschungskolloquien, aber auch in Workshops und Tagungen soll zur Anregung beitragen, ohne aber daß der für die Entwicklung von Ideen oder den Abschluß einer Arbeit nötige Freiraum beschnitten wird.

Nähere Informationen zur Ausschreibung folgen.


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