

Die Arbeitsgruppe Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin erforscht die Bedingungen und Auswirkungen von sich verändernden Grenzen medizinischen Wissens. Unsere historischen und philosophischen Projekte untersuchen, wie der Gegenstandsbereich der modernen Medizin aus- und umgeformt wurde und welche Rolle dabei Vorstellungen von Wissenschaftlichkeit gespielt haben. Wir nehmen dabei unterschiedliche Formen und Verständnisse von Wissen und Ungewissheit in den Blick sowie sich verändernde Akteurskonstellationen, beispielsweise im Hinblick auf die Bedeutung von Regulationsbehörden oder auf die wie auch die Möglichkeit, unterschiedlicher Akteursgruppen - von Betroffenen bis zu Regulationsbehörden - in den Blick. Es ist uns in Forschung und Lehre ein Anliegen, scheinbare Selbstverständlichkeiten heutiger Medizin hinterfragbar zu machen und über Disziplin- und Professionsgrenzen hinweg konstruktive Dialoge über die Genese und die Zukunft von Wissen in der Medizin zu führen.
An der Universität Bielefeld bildet die AG Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin eine Brücke zwischen der Fakultät für Geschichte, Philosophie und Theologie und der Medizinischen Fakultät OWL. Vor diesem Hintergrund lehren die Mitarbeitenden der AG sowohl im medizinischen Kerncurriculum als auch in der Interdisziplinären Profilierung Medical Humanities.
Im medizinischen Kerncurriculum ist die AG an den Modulen „Einführung in das Medizinstudium“, „Wissenschaftliches Denken und Handeln“, „Gehirn, Nerven und Psyche“, „Lebensanfang“ und „Lebensende“ beteiligt.
Die Interdisziplinäre Profilierung Medical Humanities können Medizinstudierende als eine von fünf Schwerpunktsetzungen wählen. Sie wird von der AG Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin gemeinsam mit den Fächern Ethik der Medizin sowie Gesundheits- und Medizinrecht gestaltet. Ziel dieser Profilierung ist es, die Studierenden in ihren reflexiven Kompetenzen zu stärken und geisteswissenschaftliche Methoden zu vermitteln, die sie dazu befähigen, sich kritisch mit den historischen, philosophischen, rechtlichen sowie ethischen Implikationen der ärztlichen Profession auseinanderzusetzen.
Die AG ist Teil der Initiative Theory-Oriented-Object-Laboratory (TOOL). In ausgewählten Veranstaltungen der Geschichte der Medizin im Kerncurriculum und in der interdisziplinären Profilierung Medical Humanities werden medizinhistorische Objektquellen in den Lehrveranstaltungen eingesetzt. Die Objekte sind eine Dauerleihgabe des Krankenhausmuseums Bielefeld, mit dem eine andauernde Kooperation besteht.
Im Longitudinalstrang Wissenschaftliches Denken und Handeln des Studiengangs Medizin betreut die AG Forschungsarbeiten in den Themenbereichen Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin (Modul 5-II-MEDW, Anfang 2. Studienabschnitt, 7. Semester). Im optionalen Bachelor of Interdisciplinary Medical Sciences (B. Sc.), in dem in einem zusätzlichen Fachsemester nach dem 1. Studienabschnitt des Studiengangs Medizin die Bachelorarbeit erstellt wird, betreut die AG Bachelorarbeiten (Voraussetzung: Profilierung Medical Humanities, siehe Kurzinformationen).
Darüber hinaus betreuen wir fachrelevante Promotionsvorhaben in der Medizin. In den Fächern Geschichte und Philosophie betreuen wir Bachelor- und Masterarbeiten sowie Promotionsprojekte.
Bitte kontaktieren Sie uns zeitnah, wenn Sie die Betreuung einer Abschlussarbeit durch Mitarbeitende der AG anstreben.
05.11.2026 17:00-19:30 Uhr in der Tüftelei:
Aus Krisen lernen
Erfahrung als Ressource für psychische Gesundheit
Krisen bringen uns an Grenzen, aber sie bringen auch Wissen mit sich – Wissen über die Welt und über uns selbst. In diesem Workshop erkundet ihr gemeinsam, was dieses Erfahrungswissen von anderen Arten des Wissens unterscheidet und welchen Wert es hat.
Denn wer eine Krise durchlebt, wird zur Expert:in des eigenen Körpers und Geistes. Und das kann Selbstwirksamkeit freisetzen. Impulse von Erfahrungsexpert:innen und Forschenden geben den Einstieg – dann wird gemeinsam diskutiert.
Das könnt ihr hier lernen:
· was Erfahrungswissen ausmacht und wie es sich von anderen Wissensarten unterscheidet
· wie Reflexion und Austausch Erfahrung in Wissen verwandeln können
· warum es wertvoll ist, Expert:in in eigener Sache zu sein
Gut zu wissen: Kein Vorwissen nötig.
Ein Angebot entwickelt von: Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie, Medizinische Fakultät OWL, und dem Recovery College Bielefeld
Auf diese Frage zum Thema Gesundheit hätten die hier beteiligten Partner:innen selbst gern endlich eine Antwort:
„Im Team beschäftigt uns, dass Erfahrungen im Zusammenhang mit Krankheit nicht nur Leid, sondern auch Wissen hervorbringen können, und wie dieses Erfahrungswissen dazu beiträgt, Krankheiten und den Umgang mit ihnen besser zu verstehen."
Das fragen sich: Gina Maria Klein und Nele Röttger
Link zu der Veranstaltung: https://wissenswerkstadt.de/veranstaltungskalender/veranstaltungs-details/event-3711
Vergangene Veranstaltungen
12.03.2026: The Art of Science and the Science of Art
Organised by Alfred Freeborn (University Bielefeld), Elizabeth Hughes (MPIWG) and Robert Meunier (ICI Berlin)
06.03.2026: MED METHODS - Experimental Research and Teaching Methods in the Medical Humanities and the Philosophy of Medicine
Organised by Michele Luchetti and Lara Keuck
26.6.2025: Trajectories of Epistemic Injustice in Philosophy of Medicine – A Workshop with Miranda Fricker
Organised by Lara Keuck, Nele Röttger and Hanna Lucia Worliczek
24.6.-26.6.2025: Master Class on Epistemic Injustice with Miranda Fricker
Co-organised by Lara Keuck and Christian Nimtz
07.11.2024: Introducing TOOL: Theory Oriented Object Laboratory Mini-Workshop, Thursday, November 7, 14.15-15.45, A2-107
Organised by Lisa Regazzoni and Lara Keuck
Was können wir über Theorien, insbesondere über Theorien der Geschichte und Theorien des medizinischen Wissens, lernen, wenn wir Objekte untersuchen? TOOL, das Theory Oriented Object Laboratory (Raum A2-107), ist ein neuer Veranstaltungsort und ein Gemeinschaftsprojekt, das sich mit dieser Frage aus verschiedenen historiografischen Perspektiven und anhand einer Vielzahl von materiellen Objekten und Sammlungen befasst. Wir laden alle Interessierten herzlich ein, an unserem Eröffnungsworkshop teilzunehmen und mehr über TOOL und die Möglichkeiten zur Teilnahme an dem Projekt und zur Auseinandersetzung mit Theorien durch Objekte zu erfahren
30.9.-2.10.2024: Workshop "Philosophical Engagement with Biology of Medicine“ including the 5th PhilInBioMed Network Meeting, organised by Lara Keuck, Marie I. Kaiser, Alkistis Elliott-Graves, Fridolin Gross and Thomas Pradeu, ZiF Bielefeld: Mehr Informationen (ZiF), Mehr Informationen (Philinbiomed)
13.06.2024: „Der Faschismus in den Köpfen“: Eine Neukonzeption von Behinderung in der post-euthanistischen Gesellschaft.
Ob bei der Inklusionsdebatte oder der Pränataldiagnostik, der Streit um den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigungen sowie um die „richtigen“ Lehren, die aus den Erfahrungen mit der NS-Eugenik und den „Euthanasie“-Morden zu ziehen sind, kommt nicht zur Ruhe. Der Vortrag geht der Frage nach, wie, wann und durch wen in der BRD der Nachkriegsjahrzehnte ein radikal neues Verständnis von Behinderung - auch gerade von geistiger Behinderung - entwickelt wurde und mit welchem Gegenwind die diversen Akteur:innen zu kämpfen hatten. Zum Thema Vergangenheitsbewältigung ist inzwischen viel geschrieben worden; zum Praxiswandel weniger. Erst ab den 1970er-1980er Jahren konnte eine „antipostfaschistische“ Generation eine neue Behindertenpädagogik mitsamt Schulintegrationsexperimenten einerseits und einer Enthospitalisierungsbewegung andererseits – letzteres im Namen der 50.000 Menschen mit geistiger Behinderung, die entweder in veralteten Großanstalten behaust oder in psychiatrischen Abteilungen „fehlplatziert“ geblieben waren – ins Leben rufen. Mit welchen säkular-politischen und theologisch-philosophischen Argumenten die Aktivist:innen hantiert haben – und wie letztendlich auch die Krüppelbewegung die Sache der Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen zu ihrer eigenen machte – hiervon wird die Historikerin Dagmar Herzog am 13.6.23 erzählen.
Dagmar Herzog ist Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York. Sie hat zahlreiche Publikationen zur Sexual- und Geschlechtergeschichte in der Moderne, zu Holocaust-Studien und zur Geschichte der Religion veröffentlicht, u. a. Sexuality in Europe: A Twentieth-Century History (Cambridge, 2011); Lust und Verwundbarkeit (Wallstein, 2018); Die Politisierung der Lust (Siedler, 2005; Psychosozial 2021); Cold War Freud: Psychoanalyse in einem Zeitalter der Katastrophen (Cambridge, 2017; Suhrkamp, 2023). Zurzeit forscht sie zur Theologie und Politik der Behinderung in Deutschland, 1870-2020. Ankündigung (pdf)
28.11.2023: Interdisziplinäre Paneldiskussion. Veränderbarkeit und Wirkmächtigkeit von medizinischen Diagnosen. Mehr
17.10.2023: Kolloquium Gender-Gastprofessorin Prof.in Dr. Londa Schiebinger. “From the Mind Has No Sex? to Gendered Innovations” Mehr Informationen, Ankündigung (pdf)
Die Professur für Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin ist eine Brückenprofessur und an der Abteilung Philosophie, der Abteilung Geschichtswissenschaft sowie der Medizinischen Fakultät OWL angesiedelt. Gemeinsam mit Kolleg:innen der Wissenschaftsphilosophie, Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftssoziologie bin ich an der Ausgestaltung des Institute for Interdisciplinary Studies of Science (I²SoS) beteiligt. Zusammen mit der Professur für Ethik in der Medizin und den Rechtswissenschaften leite ich die interdisziplinäre Profilierung „Medical Humanities“. Ich unterrichte Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin im Medizinstudiengang und leite die gleichnamige AG15 an der Medizinischen Fakultät OWL. An der GePhTh Fakultät (ko-)betreue ich wissenschaftshistorische und -philosophische Promotionen, die einen Bezug zur Medizin haben.
Meine Forschung kreist um die historische und epistemologische Frage, wie sich Wissen über Krankheit verändert hat. Ich habe ein großes Interesse an Methoden—sowohl im Hinblick auf die medizinische Forschung als auch auf die Philosophie der Medizin und Geschichtsschreibung. Neben meiner Professur an der Uni Bielefeld leite ich eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin, die sich mit „Praktiken der Validierung in der biomedizinischen Forschung“ auseinandersetzt (https://www.mpiwg-berlin.mpg.de/research/departments/max-planck-research-group-biomedical-sciences).
Dr. Alfred Freeborn ist Wissenschafts- und Medizinhistoriker, dessen Forschungsschwerpunkt auf der spätmodernen biologischen Psychiatrie liegt. In seiner Arbeit kombiniert er Archivforschung, Oral History und erkenntnistheoretische Analyse, um die Natur des wissenschaftlichen Fortschritts in der Psychiatrie im 20. Jahrhundert zu erklären. Sein aktuelles Projekt trägt den Titel Spektrumspolitik: Die Entstehung und der Widerstand medizinischer Kollektive im Zeitalter von Big Data und zeichnet den Aufstieg des Konzepts der Spektrum in der modernen Medizin aus der Perspektive der Geistes-, Sozial- und Politikgeschichte nach.
Alfred erwarb seinen BA in Geschichte und seinen MPhil in Wissenschaftsgeschichte und -philosophie an der University of Cambridge, bevor er an der Humboldt-Universität am Lehrstuhl für Wissenschaftsgeschichte promovierte. Er war Postdoktorand in der Forschungsgruppe zu Praktiken der Validierung in der Biomedizinischen Forschung (Lara Keuck) und in der Abteilung für Knowledge Systems and Collective Life (Etienne Benson) am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Im Jahr 2024 erhielt er für seine Arbeit über methodologische Reformen in der psychiatrischen Diagnostik der Nachkriegszeit den Early Career Prize der Zeitschrift History of the Human Sciences.
Zusammen mit Elizabeth Hughes war er Mitherausgeber des bei Hatje Cantz erschienenen Bandes Biomedical Visions: Epistemology, Medicine and Art Practice (2025). Kürzlich hat er gemeinsam mit Dr. Hanna Worliczek eine Sonderausgabe zum Thema Forschungsinterviews in der Wissenschaftsgeschichte für die Berichte zur Wissenschaftsgeschichte herausgegeben, die in Kürze erscheinen wird. Alfred hat Kurse zur Geschichte der Psychiatrie, Big Data und künstlicher Intelligenz an der Birkbeck University of London, der Humboldt-Universität und dem Bard College Berlin unterrichtet.
Ich habe zunächst Philosophie (Heidelberg, B.A.) und History and Philosophy of Science and Medicine (Cambridge/UK, MPhil) studiert und absolviere seit 2022 ein Studium der Humanmedizin an der Universität Leipzig. Seit 2023 bin ich wissenschaftliche Hilfskraft in der AG Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin.
Mein fachlicher Fokus ist die Wissenschaftstheorie der Medizin und Psychiatrie. Insbesondere interessieren mich Debatten über legitime und illegitime Funktionen von nicht–epistemischen Werten in medizinischer Forschung und klinischer Praxis. Meine Masterarbeit habe ich zu diesem Thema in Bezug auf finanzielle Fehlanreize im deutschen Fallpauschalensystem der Krankenhausfinanzierung geschrieben.
Derzeit befinde mich in der Vorbereitung für eine wissenschaftstheoretische Promotion in der AG Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin.
Seit Anfang 2024 bin ich Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin. In meinem von Prof. Dr. Lara Keuck betreuten Promotionsprojekt befasse ich mich mit dem Wissen über Haut und Hautpflege an der verschwommenen Grenze zwischen Schönheit und Gesundheit.
Mein Forschungsinteresse liegt besonders in der historischen Erkundung der unklaren Grenze von persönlichen Handlungen der Schönheitspflege, der Hygiene und der medizinisch notwendigen Behandlungen der Haut. Allgemeiner interessiere ich mich für das Wissen, welches alltäglichen Praktiken zugrunde liegt und dessen Abgrenzung zu „Fachwissen“, speziell naturwissenschaftlichem Wissen.
Nach einem Studium der Biologie und Geschichtswissenschaft in Bielefeld (B.Sc.), habe ich History, Economics and Philosophie of Science / Interdisciplinary Studies of Science (M.A.) in Bielefeld und Wien studiert. In meiner Masterarbeit habe ich mich mit der Geschichte industrieller Kosmetikprodukte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Westdeutschland befasst.
Forschungsinteressen
Nele Röttger ist promovierte Philosophin und seit Dezember 2024 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der AG für Geschichte und Wissenschaftstheorie der Medizin. In ihrer Forschung untersucht sie die Grenzen medizinischen Wissens in Bezug auf das Konzept der Expertise. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass man nicht allein durch Wissenserwerb oder die Aneignung spezifischer Fertigkeiten zur Expertin wird. Vielmehr bedeutet Expertin zu sein auch, eine soziale Praxis zu gestalten, zu der wissenschaftliche Skepsis einerseits und die Zuschreibung von Vertrauen und Verantwortung andererseits gehören. Sowohl Vertrauen als auch Verantwortung sind Konzepte, die ein wechselseitiges Verhältnis zwischen Menschen voraussetzen. In diesem Sinne sind Expertinnen und Experten sich der Grenzen ihres Wissens bewusst und erkennen, wo die eigene Expertise mit fremder Expertise kontaminiert wird. Das ermöglicht es ihnen, ihrer wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Zugleich sind Expertinnen und Experten auf Strukturen angewiesen, innerhalb derer sie sich als Expert*innen behaupten zu können.
Promoviert wurde Nele Röttger am Lehrstuhl für Praktische Philosophie der Universität Bielefeld zum Konzept der Selbstachtung und der Frage, was es heißt, für sich selbst einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Der Frage nach den Voraussetzungen einer verantwortungsbewussten Haltung im Kontext des Gesundheitswesens geht Nele Röttger auch im Rahmen eines philosophischen Fortbildungsangebots für klinische Ethikberater*innen und Profis im Gesundheitswesen nach. Ziel dieses Angebots ist es, philosophische Konzepte im Austausch mit unterschiedlichen Expert*innen zu reflektieren, um die jeweiligen Handlungsräume und die damit verbundenen Grenzen nachzuvollziehen und zu gestalten.
Nele Röttger ist Mitglied im Koordinationsteam von JMED (Netzwerk Junge Medizinethik), einem interdisziplinären Forum für Wissenschaftler*innen in frühen und mittleren Karrierephasen der AEM (Akademie für Ethik in der Medizin). Sie hat eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin und ist zertifizierte Ethikberaterin (AEM, K1).
Ich bin Doktorand im DFG-Graduiertenkolleg 2073 "Integration von Wissenschaftsethik und Erkenntnistheorie". Meinen Masterabschluss in Geschichte, Ökonomie und Wissenschaftsphilosophie / Interdisziplinäre Wissenschaftsforschung habe ich 2021 an der Universität Bielefeld erworben, meinen Bachelorabschluss in Philosophie und Geschichte an der Universität Münster. In meinem Promotionsprojekt beschäftige ich mich mit der Entwicklung eines differenzierten Wissenschaftspluralismus, der auf die Forschungspraxis in der Psychiatrie zugeschnitten ist. Dazu untersucht meine Fallstudie, die auf einer qualitativen Analyse basiert, die Behandlungsresistenzforschung.
Sasha Bergstrom-Katz ist eine in Berlin lebende Künstlerin, Forscherin und Autorin. Ihre interdisziplinären, praxisbasierten Projekte konzentrieren sich auf Technologien, Objekte und Konzepte aus der Geschichte der Human- und Medizinwissenschaften. Sie ist Visiting Postdoctoral Fellow in der Practices of Validation in the Biomedical Sciences Research Group am MPIWG (bis August 2024). Ihre Dissertation von 2023 mit dem Titel On Intelligence Tests: Psychological Objects and Their Subjects ist eine ästhetische Untersuchung der materiellen Kulturen und der Geschichte der Intelligenztests in den Vereinigten Staaten. Ihre derzeitige Forschung erweitert dieses Projekt, um die Art und Weise zu untersuchen, wie Intelligenztests als "darstellende" Wissenschaft verstanden werden können.
Bergstrom-Katz promovierte in psychosozialen Studien an der Birkbeck University of London und erwarb einen MFA in Bildender Kunst an der University of California, Irvine. Derzeit ist sie zusammen mit Tomas Percival Mitherausgeberin einer Sonderausgabe der History of Human Sciences mit dem Titel The Material Force of Categories (Die materielle Kraft der Kategorien). Außerdem ist sie zusammen mit Dr. Sarah Marks und Dr. Suzanne Hudson Mitherausgeberin des in Kürze erscheinenden Bandes Art & Psychotherapy. Im Jahr 2022 war sie künstlerische Stipendiatin bei BS-Projects, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Deutschland.
Begonnen habe ich meine akademische Reise mit dem Studium von Philosophie und Physik an der Universität Leipzig. Nachdem ich beide Fächer mit dem Magister Artium abgeschlossen hatte, nahm ich die Gelegenheit für einen Abstecher in die Afrikanistik und Informatik wahr, ohne hier einen Abschluss anzustreben. Nach ca. einem halben Jahr begann ich dann meine Dissertation zur deliberativen Rechtfertigung von solidarischer Gesundheitsversorgung, ebenfalls an der Universität Leipzig. Parallel zur Dissertation wurde ich wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Universität Münster. Dort arbeite ich zu Themen wie Priorisierung in der Medizin, wissenschaftstheoretische und ethische Fragestellungen der modernen Neurowissenschaft und Psychiatrie, dem Unterschied zwischen wissenschaftlicher Medizin und alternativen und komplementären Ansätzen und der Frage, was medizinische Notwendigkeit bedeuteten kann und soll.
Mein aktuelles Hauptbeschäftigungsfeld an der Universität Bielefeld ist die Philosophie der Medizin, in der ich mich sowohl wissenschaftstheoretischen als auch normativen Fragestellungen widme. Zusätzliche nehme ich die historische Perspektive auf medizinphilosophische Fragestellungen ein, um diese zu kontextualisieren und auch um Teile der Motivation für den medizinischen Status quo besser zu verstehen.
Einen besonderen Schwerpunkt in meiner Forschung und Lehre nimmt die Frage nach der Wissenschaftlichkeit von Medizin ein. Dabei interessiert mich vor allem das Wissenschaftsparadigma und -ziel der besten Erklärbarkeit von Phänomen, denn dieses ist auch für die patientenversorgende Medizin von besonderer Bedeutung: Erst wenn sich komplexe Krankheitsphänomene möglichst präzise und prognostizierbar erklären lassen, können für Patienten hilfreiche Behandlungsmethoden zielgerichtet entwickelt werden. Werden hingegen Krankheiten unzureichend erfasst, ist ihre erfolgreiche Behandlung erstens schwer belegbar und zweitens, sollte sie trotzdem gelingen, eher ein Glückfall als bewusst herbeigeführte Hilfe. Insofern erscheint es mir plausibel, dass Wissenschaftsorientierung, d.h. die Ausrichtung an wissenschaftlichem Vorgehen und Erkenntnissen, eine der Voraussetzungen patientendienlicher Medizin ist.
Folgende Fragestellungen interessieren mich aktuell in besonderem Maße:
Alle Informationen zu Frau Dr. Gennermann finden Sie hier.
Dr. Michele Luchetti ist Postdoktorand an der Universität Bielefeld und beschäftigt sich mit der Geschichte und Philosophie von Wissenschaft und Medizin. Außerdem ist er als freier Theaterpädagoge und Dozent tätig. In seiner akademischen Forschung verbindet er erkenntnistheoretische und historische Erkenntnisse, um Fragen der Messung, des konzeptionellen Wandels und der Beziehung zwischen Wissenschaft, Werten und Gesellschaft zu untersuchen. Er promovierte 2020 in Philosophie an der Central European University in Budapest und hatte Forschungsstellen an der Universität Genf und am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin inne. Seine Forschungen wurden in mehreren internationalen Forschungszeitschriften veröffentlicht, und er ist derzeit Herausgeber einer thematischen Sammlung zum Thema "Validity and Coordination in the Biomedical and Human Sciences" für die Zeitschrift History and Philosophy of the Life Sciences. Neben seiner akademischen Arbeit ist Michele in den Traditionen des Gruppentheaters und der Theateranthropologie geschult und nutzt Theaterlabore als Instrumente für kollektive Forschung und Kreation sowie soziale Integration. Er war kürzlich Artist-in-Residence am Grotowski-Institut (Polen, 2022) und am Umbrischen Theaterzentrum (Italien, 2024) und hält regelmäßig Theaterworkshops in Italien und der Schweiz ab, oft in Zusammenarbeit mit sozialen und medizinischen Einrichtungen.
Als Teil der Forschungsgruppe für Geschichte und Philosophie der Medizin an der Universität Bielefeld entwickelt Michele ein neues Projekt mit dem Titel "Towards an Epistemology of Medical Performing". Das Projekt will mit einem empirisch fundierten philosophischen Ansatz untersuchen, wie sich die performative Dimension der Medizin auf das medizinische Wissen auswirkt. Die Untersuchung wird u.a. folgende Forschungsfragen verfolgen:
- Was ist epistemisch interessant an Patientensimulationen im Gesundheitswesen? Wie wirkt sich der Umgang von Medizinstudenten mit Patientensimulatoren auf ihre epistemischen Ansichten über Medizin aus?
- Wie werden Mediziner durch die öffentlichen Auftritte von Expertenpatienten (auf medizinischen Konferenzen und Fortbildungsveranstaltungen) beeinflusst?
- Inwieweit sind medizinische Darbietungen für Loopingeffekte verantwortlich?
Michele ist auch Mitorganisator der internationalen Arbeitsgruppe "Performing Science and Medicine" (mit Dr. Sasha Bergstrom-Katz, Universität Bielefeld), die monatliche Treffen von Forschern aus den Bereichen HPS, STS und darstellende Künste veranstaltet. Darüber hinaus unterhält er eine Reihe aktiver internationaler Forschungskooperationen, u. a. mit Dr. Rebecca Jackson (University of Durham) für eine Reihe von Artikeln über die Geschichte und Philosophie des Messens und mit Dr. Matteo De Benedetto (IMT, Lucca) über ko-konstruktive Modelle des wissenschaftlichen Wandels und Werte in der Wissenschaft.
Alle Informationen zu Frau Dr. Dr. Worliczek finden Sie hier.