AG 5: Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement

Entscheidungsträger:innen benötigen Informationen darüber, wie vorhandene Ressourcen optimal auf die verschiedenen Leistungsbereiche des Gesundheitswesens verteilt werden können. Dabei stellen die Instrumente der gesundheitsökonomischen Evaluation ein geeignetes Mittel dar, um die Kosten einer Technologie deren Nutzen gegenüberzustellen. Die wohl häufigste Anwendung finden dabei ökonomische Analysen, welche die AG5 zusammen mit Wirksamkeitsanalysen durchführt. Die Bandbreite schließt dabei Beobachtungsstudien bis hin zu klinischen RCTs ein. In Fällen, in welchen der Beobachtungszeitraum der Studie für eine fundierte Bewertung nicht ausreichend ist oder andere Vergleichsinterventionen interessant sind, kann mit Hilfe von Modellierungen versucht werden, diese Wissenslücken zu schließen. Die AG 5 legt dabei einen besonderen Forschungsschwerpunkt auf das Health Technology Assessment. Health Technology Assessment (HTA) ist eine Methodik zur systematischen und transparenten Bewertung medizinischer Verfahren und Technologien unter medizinischen, ökonomischen, juristischen, sozialen und ethischen Aspekten mit dem Ziel, die dazu gehörigen Entscheidungsprozesse zu unterstützen.
"DigiSep untersuchte, ob eine digitale Präzisionsdiagnostik auf Basis moderner Gensequenzierung die Behandlung von Sepsispatienten verbessern kann. Das Verfahren ermöglicht eine schnellere und zuverlässigere Identifikation des auslösenden Erregers als herkömmliche Blutkulturen. Obwohl der primäre Studienendpunkt nicht erreicht wurde, zeigte sich bei mehreren sekundären Endpunkten ein relevanter klinischer Nutzen: Die Beatmungsdauer verkürzte sich um durchschnittlich 2,7 Tage, die Dauer des septischen Schocks um 1,9 Tage, und das Langzeitüberleben nach 180 Tagen verbesserte sich um 8 Prozentpunkte bei gleichbleibenden Kosten."
Maren Steinmann
DigiSep-Projektteam der AG5
"Im eRIKA-Projekt werden Daten aus dem E-Rezept sowie elektronisch verfügbare Informationen zu abgegebenen Arzneimitteln genutzt, um einen zentral gespeicherten und aktuellen Medikationsplan bereitzustellen. Begleitend werden die zugrunde liegenden Versorgungsprozesse sowie die Wirksamkeit und Gesundheitsökonomie der Intervention evaluiert. Hierfür verwenden wir unter anderem erstmals ein Kongruenzmaß, das die Übereinstimmung zwischen dem Medikationsplan und den verfügbaren GKV-Routinedaten abbildet."
Juliana Schmidt
eRIKA-Projektteam der AG5
Der Wandel des Krankheitspanoramas führt verstärkt dazu, dass Behandlungs- und Therapiemaßnahmen nicht mehr ausschließlich darauf abzielen, die Lebenserwartung von Patient:innen zu verlängern oder Erkrankungen gänzlich zu heilen. Vielmehr geht es häufig darum, die Lebensqualität der Patient:innen zu verbessern. Folglich gelangen die klassischen Parameter zur Bewertung von medizinischen Maßnahmen an ihre Grenzen und es bedarf neuer Bewertungsmethoden, um den Nutzen einer Maßnahme zu bewerten und den anfallenden Kosten gegenüberzustellen (z.B. in Rahmen von Kosten-Nutzwert-Analysen). Die präferenzbasierte Lebensqualitätsmessung – wie eine Messung mit dem EQ-5D der EuroQol-Gruppe – stellt in diesem Kontext einen bedeutsamen Outcomeparameter dar, der durch die Fokussierung der subjektiven Dimension einen bedeutsamen Beitrag zu einer patientenorientierten Versorgung leisten und für die Allokationsentscheidungen im Gesundheitswesen sowie für die Gesundheitsplanung wichtige Hinweise geben kann.
"Die FIAT-Studie ist eine multizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie für Kinder und Jugendliche mit Anorexia Nervosa. In der Studie werden die Teilnehmenden in der Interventionsgruppe ambulant-telemedizinisch mit Familien-Basierter Theapie (FBT), in der Kontrollgruppe mit stationärer multimodaler Therapie behandelt. In der FBT soll das soziale Umfeld gezielt als Behandlungsressource genutzt werden. Die AG5 übernimmt die Wirksamkeits- und gesundheitsökonomische Evaluation des Projekts, bei der mittels des EQ-5D auch die Lebensqualität erhoben wird."
Paul Hennrich
FIAT-Projektteam der AG5
Link zur Projektbeschreibung beim G-BA
"The CHAMP consortium includes eight subprojects, investigating determinants of different allergic diseases from birth to adolescence. Overarching is a study on HRQoL of affected children and their families and a translational murine project, assessing pathomechanisms in different allergy models."
CHildhood Allergy and tolerance: Biomarkers and Predictors (CHAMP) and quality of life (Eckert et al., 2022)
Im Rahmen der gesundheitsökonomischen Evaluation von Gesundheitsleistungen sind verlässliche Angaben zum Ressourcenverbrauch und den Kosten einer Intervention von hoher Bedeutung. Ressourcenverbräuche lassen sich zum einen durch Primärdatenerhebungen bestimmen, d. h. Personen werden direkt zur Leistungsinanspruchnahme befragt (z. B. mittels Fragebogen oder einem Telefoninterview). Zum anderen kann auf Sekundärdaten zurückgegriffen werden, d. h. auf bereits existierende Datengrundlagen, denen ein anderer Entstehungskontext zugrunde liegt. In diesem Zusammenhang werden zunehmend Routinedaten der Kranken- und Pflegeversicherung genutzt. Die AG5 greift im Rahmen ihrer Forschungsprojekte auf beide Datengrundlagen zurück. Die Projekte umfassen (krankheitsspezifische) Kostenstudien, die gesundheitsökonomische Begleitevaluation von Gesundheitsinterventionen im Versorgungsalltag sowie die Weiterentwicklung und Validierung von Erhebungsinstrumenten zur Erfassung von gesundheitsbezogenen Ressourcenverbräuchen.
"SALUS untersuchte in einem randomisiert-kontrollierten Studiendesign, ob die ambulante Selbsttonometrie dem stationären Tages-Tensio-Profil beim Erkennen pathologischer Augeninnendruckspitzen nicht unterlegen ist. Die Studie konnte die Nicht-Unterlegenheit der häuslichen Selbstmessung gegenüber dem stationären Standard of Care belegen, die Aussagekraft der Ergebnisse ist jedoch aufgrund zu geringer Fallzahlen vorsichtig zu interpretieren. Hinsichtlich der Behandlungskosten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die formative Evaluation ergab eine hohe Patientenakzeptanz gegenüber der neuen Versorgungsform."
Maren Steinmann
SALUS-Projektteam der AG5
"Ein Delir ist ein neuropsychiatrisches Syndrom multifaktorieller Genese charakterisiert durch akut auftretende kognitive Defizite. Betroffen sind vor allem ältere Patienten* mit vorbestehenden kognitiven Defiziten während eines Krankenhausaufenthaltes. Das primäre Ziel der KOMPASS D2 Studie war die Senkung der Delir-Inzidenz während eines Krankenhausaufenthaltes durch ein standardisiertes Delir-Management bestehend aus Screening und Präventionsmaßnahmen."
Kompass D2-Ergebnisbericht
"Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen während einer Schwangerschaft gehören depressive Störungen und Angsterkrankungen. Ziel der Studie war es, die klinische Effektivität der spezifischen Intervention auf die Symptombelastung bei klinisch auffälligen Schwangeren zu untersuchen. Eine psychische Belastung lag bei 21,76% aller Schwangeren vor. Die Teilnahme am Versorgungsprogramm Mind:Pregnancy führt bei belasteten Schwangeren zu einer signifikanten Reduktion der schwangerschaftsbezogenen Ängste sowie zu einer signifikant geringeren Rate an postpartalen Depressionen nach Geburt."
Mind:Pregnancy-Ergebnisbericht
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bestimmt die gesundheitspolitische Agenda derzeit wie kaum ein anderes Thema. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass im gesundheitsbezogenen Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (eHealth) eine zentrale Chance zur Überwindung aktueller und zukünftiger Herausforderungen im Gesundheitswesen gesehen wird. Beim Blick auf die verschiedenen Formen von eHealth offenbart sich ein weites Feld in Bezug auf Zielsetzungen, Zielgruppen und konkrete (technische) Lösungsansätze. Anwendungsmöglichkeiten umfassen die telemedizinische Bereitstellung von medizinischer Expertise ebenso wie etwa elektronische Aktensysteme zur Speicherung von Patientendaten oder Gesundheits-Apps für das Management chronischer Erkrankungen. Entsprechend vielfältig sind auch die Potenziale, die eHealth-Anwendungen beigemessen werden. Sie reichen von Qualitätsverbesserungen in der Versorgung über die Realisierung von Kosteneinsparungen und Effizienzpotenzialen bis hin zu einer besseren Teilhabe des Patienten am Versorgungsprozess ("patient empowerment). Innerhalb des Themenfeldes eHealth setzen wir uns damit auseinander, wie Effizienz, Nutzen, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit von eHealth-Anwendungen gemessen und bewertet werden können. Ferner untersuchen wir, wie eHealth-Anwendungen und innovative eHealth-basierte Versorgungsmodelle in die Regelversorgung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) überführt werden können und sollten.
"TELnet@NRW hat ein umfangreiches sektorenübergreifendes telemedizinisches Netzwerk als neue digitale Gesundheitsstruktur geschaffen, das von den Nutzern in hohem Maße akzeptiert wird, technisch einwandfrei funktioniert und eine statistisch signifikante flächendeckende und messbare Verbesserung der Behandlungs- und Prozessqualität in der Versorgung von Patienten in den Bereichen Infektiologie und Intensivmedizin realisiert hat."
TELnet-Ergebnisbericht
"Im Projekt KINBIOTICS wurde ein KI-basiertes Entscheidungsunterstützungssystem für eine personalisierte Antibiotikatherapie bei Sepsis-Patient:innen entwickelt. Hierfür wurden klinische Routinedaten genutzt, um ein Resistenz-Observatorium aufzubauen und innovative diagnostische Verfahren für eine schnellere und präzisere Therapie integriert."
Juliane Düvel
KINBIOTECS-Projektteam der AG5
"Im Projekt ZuTech.GKV wurden die Zugangswege mobiler Gesundheitstechnologien in die gesetzliche Krankenversicherung analysiert und Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Erstattungs- und Implementationsprozesse im Vorfeld des Digitalen Versorgungsgesetzes (DVG) entwickelt."
Juliane Düvel
ZuTech-Projektteam der AG5