
Die Universität Bielefeld ist bestrebt, exzellente Wissenschaftler*innen in einem attraktiven Forschungsumfeld zu fördern. Wir überwinden Grenzen – zwischen Disziplinen, zwischen Menschen und zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dieser Grundsatz der Transcending Boundaries ist Antrieb für grundlagenorientierte Spitzenforschung auf internationalem Niveau. Themen der Nachhaltigkeit spielen dabei eine immer größere Rolle. Das trifft auf die inhaltliche Ausrichtung von Forschungsprojekten sowie auf eine nachhaltigere Gestaltung des Forschungsbetriebs (z. B. weniger Ressourcen- oder Energieverbrauch) zu.
Aufbauend auf den im Nachhaltigkeitsleitbild formulierten Zielen möchte die Universität Bielefeld Forschung im Bereich der Nachhaltigkeit stärken und ausbauen. Dabei liegt der Fokus sowohl auf der Grundlagen- als auch auf der angewandten Forschung. Interdisziplinarität spielt dabei eine wichtige Rolle, besonders die gemeinsame Forschung von Geistes-, Natur- Sozial- und Technikwissenschaften. Auch der Prozess der Profilbildung ist zentral, über den Nachhaltigkeit in den Forschungsschwerpunkten der Universität verankert werden kann. Die Universität Bielefeld möchte:
Im Rahmen der gerade stattfindenden Profilbildung wurden alle Forschungsinitiativen dazu aufgefordert, sich mit dem Thema Nachhaltigkeit in ihrem Forschungsprozess auseinanderzusetzen. Unter Profilbildung versteht die Universität die systematisierte Weiterentwicklung von Themen, um ihr Profil zu schärfen und auszubauen. Ziel ist ein klares und unverwechselbares Profil, das nach innen Identität und Orientierung und nach außen Sichtbarkeit gibt. Neue Ideen werden in Erkundungsbereichen entwickelt, erfolgreiche Projekte werden in Fokusbereichen vertieft und Profilbereiche sollen sich durch besondere Prägekraft in Forschung und Lehre auszeichnen und international Maßstäbe setzen. Im Rahmen ihrer Interessensbekundungen beschreiben Forschungsinitiativen ihre Ideen, um die Ziele gemäß dem Nachhaltigkeitsleitbild zu erreichen und inwieweit diese über bereits bestehende und bereits geförderte Maßnahmen hinausgehen. Die Fokusbereiche haben sich jeweils eigene Evaluationskriterien zum Thema Nachhaltigkeit gegeben, die zu ihren Zielen und Fragestellungen passen.
Der vor kurzem eingerichtete Erkundungsbereich „Nachhaltig verhalten, Zukunft gestalten (NahZug)“ untersucht das Spannungsfeld zwischen sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit, basierend auf den Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals). Er erforscht Determinanten und Konsequenzen nachhaltigen Verhaltens auf individueller, organisationaler und gesellschaftlicher Ebene durch quantitative und Mixed-Methoden-Ansätze. Ziel ist es, Verhaltensänderungen zu verstehen und effektive Interventionsstrategien zu entwickeln. Der Erkundungsbereich wird durch Prof. Dr. Günter W. Maier sowie Prof.‘in Dr. Pamela Wicker geleitet.

An der Universität Bielefeld sind Nachhaltigkeitsthemen in immer mehr Forschungsvorhaben und -projekten zentral oder mitgedacht. Darüber hinaus ist an vielen Stellen ein Bemühen um einen nachhaltigeren Forschungsbetrieb zu erkennen.
Dies zeigt sich in diversen Forschungsprojekten, die im Jahr 2025 an der Universität beforscht werden. Die behandelten Themenschwerpunkte erstrecken sich von Klima und Energie über Gesellschaft, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Wohnen & Stadtentwicklung bis hin zu Landwirtschaft & Ernährung, Bioökonomie & Kreislaufwirtschaft.
Die nebenstehende Abbildung bildet im inneren Kreis die Themenvielfalt bei Forschungsprojekten ab. Im äußeren Kreis sind Unterthemen dargestellt, aus denen sich die übergeordneten Themen kondensieren lassen. Aufgrund häufiger Themenüberschneidungen sind die Unterthemen den übergeordneten Themen jedoch nicht eindeutig zugeordnet. Der Bereich "Entwicklung neuer Themenfelder" symbolisiert das kontinuierliche Streben nach Weiterentwicklung und der Erschließung neuer Forschungsgebiete an der Universität.
Inwieweit Forschung zum Thema Nachhaltigkeit auch strukturell ausgebaut wird, zeigen die Fakultät für Rechtswissenschaft, die Technische Fakultät sowie die Medizinische Fakultät OWL.
So beschäftigt sich an der rechtswissenschaftlichen Fakultät einer von drei Forschungsschwerpunkten mit Nachhaltigkeit. Der Forschungsschwerpunkt „Nachhaltigkeit, Governance & Compliance-Management“ befasst sich mit den rechtlichen Implikationen der zunehmenden Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten in Politik und Wirtschaft. An den Schnittstellen von Umwelt-, Wirtschafts- und Technikrecht entstehen spannende Zukunftsfragen, zu denen Professorinnen und Professoren der Fakultät für Rechtswissenschaft forschen. Dazu zählt etwa, wie rechtliche Rahmenbedingungen einen verantwortungsvollen Umgang mit endlichen Ressourcen sichern und innovative Ansätze für ihre nachhaltige Nutzung ermöglichen. Darüber hinaus werden Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe thematisiert. Damit leistet die Fakultät einen Beitrag dazu, rechtliche Lösungen für aktuelle ökologische, soziale und ökonomische Herausforderungen zu entwickeln und die Transformation hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft wissenschaftlich zu begleiten.
Im Jahr 2024 wurde an der Technischen Fakultät eine Arbeitsgruppe zum Thema nachhaltiges maschinelles Lernen eingerichtet. Die AG „Sustainable Machine Learning“ unter Leitung von Juniorprofessor Dr. David Kappel widmet sich der Untersuchung der Rechenkomplexität von Algorithmen für maschinelles Lernen, um deren Energieverbrauch bei gleichbleibender Leistungsfähigkeit erheblich zu reduzieren.
Die inter- und transdisziplinär ausgerichtete Arbeitsgruppe „Sustainable Environmental Health Sciences“ an der Medizinischen Fakultät OWL unter der Leitung der Dekanin Univ.-Prof.‘in Dr. Claudia Hornberg erforscht in vier thematischen Schwerpunkten den Zusammenhang von Umwelt und Gesundheit. Sie untersucht, wie Umweltfaktoren auf die menschliche Gesundheit wirken, insbesondere bei vulnerablen Gruppen, und entwickelt Modelle und Handlungsrahmen, um die Gesundheitsfolgen von Umweltbelastungen und Klimawandel sichtbar zu machen. Weitere Schwerpunkte liegen auf der nachhaltigen Stadt- und Regionalgesundheit, der gesundheitlichen Versorgung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen sowie auf der Erforschung von Infektionskrankheiten, Zoonosen und Antibiotikaresistenzen. Ziel ist es, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Gesundheit miteinander zu verbinden, um Lösungen für eine gesunde, inklusive und nachhaltige Gesellschaft zu fördern.

Unter dem Dach von Bielefeld 2000plus – Forschungsprojekte zur Region arbeiten seit fast drei Jahrzehnten Universität Bielefeld, Hochschule Bielefeld und Stadt Bielefeld eng zusammen, um den Standortvorteil „Hochschule“ für Bielefeld und die Region in großem Umfang zu nutzen. Ziel ist es, die Vernetzung von Wissenschaft, Stadt und Region zu intensivieren und den institutionsübergreifenden Austausch von Expert*innenwissen zu fördern.
Aus den inter- und transdisziplinären Arbeitskreisen im Bereich Stadtentwicklung, Bildung, Nachhaltiges Wirtschaften, Umwelt, Migration und Kultur sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Forschungsprojekte – immer mit regionalem Bezug - hervorgegangen, deren Forschungsergebnisse zum Teil online veröffentlicht wurden.
Ein Beispiel dafür ist die wissenschaftliche Begleitung des Bielefelder Klimabeirats, welche durch drei Wissenschaftler*innen der Universität Bielefeld gewährleistet wird. Diese gestalten ihrerseits aktiv die Vernetzung von Wissenschaft und Stadtgesellschaft mit und leisten einen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen in der Stadt im Kontext der Klimakrise.

In der Vergangenheit wurde zur Bekämpfung von Schädlingen auf Pflanzen in den Gewächshäusern der Fakultät für Biologie an der Universität Bielefeld noch teils auf chemische Bekämpfungsmittel zurückgegriffen. Seit Herbst 2024 wird in den Gewächshäusern vollständig auf biologische Bekämpfung umgestellt. Hierbei werden zur Bekämpfung von Schädlingen natürliche Fressfeinde genutzt. Diese Methode bietet zahlreiche Vorteile. So wird die Entwicklung von Resistenzen vermieden und die biologische Bekämpfung ist nachhaltig. Auch ist die Nutzung ungefährlich für die Gesundheit der Forscher*innen, was den Umgang mit den Pflanzen erleichtert und so einen reibungsloseren Arbeitsablauf ermöglicht. Zudem wird der pflanzliche Metabolismus nicht verändert, was die Qualität der Pflanzen bewahrt. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich Nützlinge im Gewächshaus etablieren können, sich vermehren und somit eine langfristige und obendrein kostengünstige Schädlingskontrolle gewährleisten.
In den Gewächshäusern werden Versuchspflanzen angezogen, um unter anderem die Effekte von global change Faktoren wie zum Beispiel Trockenstress oder Mikroplastik auf das Pflanzenwachstum und den Pflanzenmetabolismus zu untersuchen. Weitere Experimente befassen sich mit der Untersuchung der chemischen Diversität von Pflanzen und deren Wechselwirkungen mit abiotischen und biotischen Umweltfaktoren. In beiden Fällen würden Insektenschädlinge hier zu veränderten Ergebnissen führen, was eine Kontrolle dieser für die Forschung essentiell macht.
Weitere Informationen finden Sie auf dieser Website:
https://www.uni-bielefeld.de/themen/nachhaltigkeit/wissenswertes/wissenswertes/nutzlinge/