
Nachhaltigkeit ist im Leitbild für die Lehre als übergreifendes Profilmerkmal verankert. Sie soll fest in der Lehre verankert sein sowie die Entwicklung neuer und die Weiterentwicklung bestehender Studiengänge mitprägen. Die Universität versteht sich dabei als Ort, an dem die Herausforderungen einer globalisierten Welt diskutiert und ein auf Nachhaltigkeit ausgerichtetes Denken und Handeln gefördert werden. So erhalten Studierende wichtige Impulse dafür, ihre künftige gesellschaftliche Rolle reflektiert und verantwortungsvoll einzunehmen. Die Weiterentwicklung und fachübergreifende Vernetzung wird im Rahmen des Qualitätsmanagements im Bereich Studium und Lehre sichergestellt und findet insbesondere in den zweijährlichen Studiengangsgesprächen statt. Somit ist das Thema Nachhaltigkeit systematisch in die kontinuierlichen Prozesse der Studiengangsentwicklung integriert.
Für viele Studierende der Universität Bielefeld besteht ein umfassendes Angebot, im Rahmen des Individuellen Ergänzungsbereichs abseits ihrer festgelegten Curricula Module oder Veranstaltungen nach eigenem Interesse zu besuchen. Dies eröffnet den Studierenden insbesondere im Bachelor die Möglichkeit, Module zu Themen der Nachhaltigkeit in ihr Studium aufzunehmen, auch wenn diese nicht in ihren regulären Curricula verankert sind. Seit dem Wintersemester 2024/25 werden einzelne Veranstaltungen im Vorlesungsverzeichnis auch zu den Themenbereichen des Leitbilds ausgewiesen und zugeordnet. Das erleichtert den Studierenden das Auffinden von geeigneten Veranstaltungen, um sich in Themen des Leitbilds zu profilieren (u.a. Nachhaltigkeit).
Zusätzlich bietet das Zentrum für Lehren und Lernen (ZLL) unterschiedliche Angebote an, Lehrende und Einrichtungen bei der zukunftsorientierten Gestaltung der Lehre, der Qualifizierung der Lehrenden und der Entwicklung von innovativen Lehr-, Lern- und Prüfungskonzepten zu unterstützen. Auch Studierende finden zahlreiche Angebote ihre Stimme in partizipativen Prozessen einbringen zu können. Bereits im Jahr 2021 kamen beispielsweise viele Lehrende und Studierende im Rahmen des BI.teach zusammen, um sich gemeinsam über Nachhaltigkeit in der Lehre auszutauschen. Fortgesetzt wurde dieser Austausch im Rahmen der LehrBar Spezial, die bereits zwei Mal zum Thema Nachhaltigkeit stattfand.
Um das Engagement individueller Lehrender zu würdigen und Anreize für Nachhaltigkeitsbemühungen zu setzen, förderte die Universität im Jahr 2022 erstmals im Rahmen des Qualitätsfonds die Erprobung neuer Lehrformate mit Nachhaltigkeitsbezug. Diese Förderung zielte zunächst auf nachhaltigkeitsbezogene Lehrinnovationen auf Lehrveranstaltungsebene ab. Um auch Module und ganze Studiengänge in den Blick zu nehmen und eine feste curriculare Verankerung nachhaltigkeitsbezogener Themen anzuregen und sicherzustellen, wurde 2023 eine Sonderausschreibung des neu geschaffenen Qualitätsfonds plus mit dem Nachhaltigkeitsbüro initiiert. Die dort geförderten Projekte befinden sich jetzt in der Umsetzung an den beteiligten Fakultäten.
Für viele der drängenden Nachhaltigkeitsziele lassen sich nur mit einer fundierten fachlichen Grundlage erfolgversprechende Lösungsstrategien entwickeln. Die Chemie stellt hierbei eine der Schlüsseldisziplinen dar, weshalb die Fakultät für Chemie der Universität Bielefeld beispielhaft voran geht und zum Wintersemester 2026/27 zwei neue Studiengänge mit Nachhaltigkeitsbezug einrichtet. Der Bachelorstudiengang „Nachhaltige Chemie" und der englischsprachige Masterstudiengang „Sustainable Chemistry" adressieren die vielfältigen Desiderate und Chancen, welche z.B. im Lichte des United Nations Environment Programme (2021) From Pollution to Solution - A global assessment of marine litter and plastic pollution formuliert wurden.
Im Bachelorstudiengang „Nachhaltige Chemie“ sollen dabei die fachlichen Grundlagen vermittelt werden, die für eine reflektierte und fundierte Auseinandersetzung mit den zentralen Fragen der gesellschaftlichen Transformation hin zu einer nachhaltigen Lebensweise nötig sind. Zu den vermittelten Themen gehören unter anderem die Grundprinzipien der Nachhaltigkeit, die Vermeidung von Abfällen und Emissionen, nachhaltige Polymermaterialien, Konzepte der Kreislaufwirtschaft sowie Katalyse und Biokatalyse. Zudem werden ethische Fragestellungen und die Verantwortung der Chemie in der modernen Gesellschaft diskutiert, um ein umfassendes Bewusstsein für die Herausforderungen und Chancen zu fördern, denen die Chemie bei der gesellschaftlichen Transformation begegnet.
Im englischsprachigen Masterstudiengang „Sustainable Chemistry“ sollen Studierende die fachliche Expertise erhalten, die sie dazu befähigt, Nachhaltigkeitskonzepte gut fundiert und lösungsorientiert auf einer naturwissenschaftlichen Basis entwickeln zu können. Viele der drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen (Energie, Klima, Umwelt, Ernährung) erfordern fundiertes chemisches Fachwissen, um nachhaltige Lösungsstrategien zu entwickeln. Der Studiengang soll daher – aufbauend auf einem naturwissenschaftlichen Bachelorstudiengang – die drängenden gesellschaftlichen Fragestellungen bei der Transformation zu einer nachhaltigeren Lebensweise in den Vordergrund stellen und diese aus dem Blickwinkel der Chemie behandeln. Dementsprechend sollen sich die geplanten Module bestimmten Nachhaltigkeitszielen widmen, denen sich die nötigen fachlichen Inhalte unterordnen.