

Dir wurde bestimmt schon von vielen Seiten gesagt, wie wichtig „Eigenmotivation“ für das erfolgreiche Bewältigen eines Studiums sei. Leider fällt Motivation nicht vom Himmel. Und wie genau du jetzt die Motivation aufbauen sollst, um all die Aufgaben anzugehen, die das Studieren mit sich bringt, hat dir vielleicht keiner so richtig mitgeteilt.
Deshalb wird es hier darum gehen, was genau du tun kannst, um dich selbst zu motivieren und einen Weg heraus aus deinem Motivations-Tief zu finden.
In der Psychologie wird Motivation mit Hilfe des Erwartung-mal-Wert-Modells erklärt. Motivation wird dabei als Produkt aus Erwartung (Wie sehr erwarte ich bzw. etwas sprechender, wie zuversichtlich bin ich, dass ich das Ziel erreichen kann?) und dem Wert, den die Zielerreichung für mich hat, verstanden: Motivation = Erwartung * Wert
Kurz: Motiviert bin ich, wenn ich ein Ziel habe, das es mir wert ist und die Überzeugung, dass ich es schaffen kann. Wenn einer der beiden Faktoren bei 0 liegt, dann ist meine Motivation bei 0. Das lässt sich gut anhand eines Bergaufstiegs veranschaulichen. Einerseits kann ich über die notwendige Fitness verfügen. Wenn es für mich jedoch keinen Wert darstellt, den Berg zu besteigen, werde ich es nicht tun. Im umgekehrten Fall kann ich dem Erklimmen des Bergs zwar einen hohen Wert zuschreiben. Wenn ich aber mit Fieber im Bett liege, ist meine Zuversicht, dies zu schaffen ebenfalls bei 0 und ich werde den Berg nicht besteigen. Das Modell wird in einem Video ausführlicher vorgestellt, das im Forschungsprojekt „Selbstregulation im Alltag von Studierenden (SriAS)“ entstanden ist.
In unserem Berg-Beispiel ist das Erreichen des Gipfels das große übergeordnete Ziel, die Vision. Damit du deine Vision erreichen (also deinen Gipfel erfolgreich besteigen) kannst, solltest du die verschiedenen Ebenen des Zeitmanagements im Blick behalten. Eine Vision zu haben, ohne aber konkrete zielbezogene Aufgaben zu erledigen, bringt dich vermutlich nicht weit. Gleichzeitig ist es wenig hilfreich, wie in einem Hamsterrad tagtäglich anfallende Aufgaben zu bearbeiten, ohne genauer zu reflektieren, ob dich diese deinem großen Ziel näherbringen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die verschiedenen Ebenen des Zeitmanagements (siehe Abb. Motivationsmodell) aufeinander aufbauen.
Wenn du dann auch noch ein Ziel hast, das dir besonders wichtig ist (es also einen hohen subjektiven Wert hat) und du zuversichtlich bist, die dafür notwendigen Aufgaben schaffen zu können (positive Erwartung), dann wirst du dich gut motivieren können!
Du stehst vor einer großen Aufgabe, die auch einen hohen Wert für dich hat, du hast aber kaum Zuversicht und denkst „Ich kann das nicht!“? Dann:
Wenn du denkst "ich kann das nicht", dann schreibe dir 10 Aufgaben auf, die du ganz sicher erledigen kannst und die dich bei deinem Projekt einen Schritt weiterbringen. Vielleicht denkst du "Ich werde diese Prüfung niemals bestehen!", dann notiere dir Aufgaben wie:
Erledige eine Aufgabe – vielleicht die, die dir am leichtesten fällt – die anderen neun darfst du noch aufschieben.
Du hast das Gefühl, zwar permanent beschäftigt zu sein, ohne aber irgendwelche Ziele zu erreichen? Dann…
Ohne ein Ziel kannst du nicht ankommen! Indem du Aufgaben planst, sowie Ziele formulierst und schriftlich festhältst, kannst du deine Motivation positiv beeinflussen. Bei der Bestimmung und Formulierung von Zielen sind ein paar Punkte zu beachten.
(1) Formuliere zunächst ein Ziel.
(2) Überprüfe dieses Ziel dann anhand der folgenden Prüffragen (Fischer-Epe 2010).
(3) Verändere bei Bedarf dein Ziel und dessen Formulierung.
| positiv formuliert |
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| attraktiv und motivierend |
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| (selbst-) erreichbar |
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| konkret-messbar? |
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| „ökologisch“ sinnvoll und verträglich |
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Alternativ kannst du zur Formulierung deiner Ziele die 3-P-Regel (Reichel, 2020) nutzen. Orientiere dich dabei an unserem Beispiel.
Ich möchte frühzeitig und regelmäßig für meine Prüfung lernen. Um dieses Ziel zu erreichen, nutze ich regelmäßig ein bestimmtes Zeitfenster. Ich plane Aufgaben ein und mache meine Lernfortschritte sichtbar. Unterstützend bilde ich eine Lerngruppe und lade sie zu diesem Zeitfenster ebenfalls ein.
Persönlich = schreibe in der Ich-Form
Positiv = schreibe, was du erreichen und nicht das, was du vermeiden möchtest
Präsens = schreibe in der Gegenwart, nicht in der Zukunft. Vermeide auch
Formulierungen die dem Muster „Ich muss mehr X“ folgen.
Du stehst vor einer Aufgabe und bist absolut nicht motiviert diese anzugehen, weil dir der Sinn dahinter fehlt? Dann…
Es kann motivierend sein, deine Vision zu visualisieren, indem du eine Zeichnung oder ein Bild an deinem Arbeitsplatz in deinem Sichtfeld platzierst. Das kann bspw. auch eine Postkarte mit einem passenden Spruch sein. Die Erinnerung an deine Vision, also dein Ziel, kann dir den Wert deiner zu erledigenden Aufgaben verdeutlichen.
Bei Zielen geht es immer darum, den eigenen Gestaltungsspielraum zu nutzen und sich möglichst motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wenn du noch das Gefühl hast, selbst nicht viel gestalten zu können, dann:
Hast du dich schon einmal gefragt, was Astronaut*innen und Leistungssportler*innen so antreibt? Nein? Kein Problem. Glücklicherweise haben sich nämlich einige Psycholog*innen bereits in den 1970er und 80er Jahren genauer damit befasst, und Harald Groß (2011) arbeitete aus den Ergebnissen letztendlich 14 verschiedene Motivatoren heraus, die Menschen antreiben können. Groß geht davon aus, dass die meisten Personen drei bis vier Hauptmotivatoren haben, die sie besonders motivieren.
Hier sind einige Beispiele, die dir zeigen, wie genau die Motivatoren aussehen können.
Beispiele:
Auf der Webseite von Harald Groß www.lermotivatoren.de kannst du innerhalb weniger Minuten den Motivatoren-Quick-Check durchführen. Dieser Check gibt dir die Möglichkeit, deine persönlichen Hauptmotivatoren zu identifizieren. Mithilfe deiner neu entdeckten Motivatoren kannst du im Anschluss Anforderungen an dein Zeit- und Selbstmanagement ableiten. Schau dir dazu am besten die Praxistipps an, indem du auf die jeweiligen Motivatoren klickst. Kannst du mit den Tipps etwas anfangen? Gibt es Tipps, die du gut in deinen Alltag integrieren kannst?
Nicht jede Aufgabe hat einen hohen Wert für uns und auch nicht jede Aufgabe lässt sich mit Interesse und Freude durchführen (vgl. intrinsische Motivation). Dann ist es legitim, sich extrinsisch zu motivieren, indem du dir negative Konsequenzen bewusst machst und meidest oder somit positive Konsequenzen, bspw. über Belohnungen herbeiführst.
Hierfür kannst du so genannte „Wenn-Dann-Sätze“ nutzen, über die du dir eine Belohnung verdeutlichst, die du dir nach der Erledigung der Aufgaben erarbeitet hast. Alternativ kannst du auch die Konsequenzen herausarbeiten, die eintreten, wenn du die Aufgabe nicht oder verspätet erledigst.
Wenn du die Konsequenzen einer nicht erledigten Aufgabe siehst, kann dich das in manchen Situationen zum Anfangen motivieren. In anderen Situationen merkst du vielleicht auch, dass die Konsequenzen gar nicht so gravierend sind und kannst damit eine Aufgabe auf einen anderen Zeitpunkt verlegen.
| Wenn... | Dann... |
| Ich meine Bachelorarbeit in diesem Semester nicht abgebe, … | … habe ich keine freie Zeit, bevor mein Master anfängt |
| Ich die Einleitung meiner Hausarbeit in dieser Woche nicht fertig bekomme, … | … muss ich am Wochenende weiterarbeiten und habe kaum Freizeit |
Belohnungen im Allgemeinen können uns zum Arbeiten anspornen. Manchmal ergibt sich aus der Erledigung einer Aufgabe selbst eine Belohnung, manchmal kannst du dir aktiv Belohnungen einräumen.
Auch hier kannst du die „Wenn-Dann-Sätze“ einsetzen, um deine Belohnungen zu planen. Bei Belohnungen ist es wichtig, dass sie vom Umfang her zu der zu erledigenden Aufgabe passen sowie realistisch umsetzbar sind.
| Wenn... | Dann... |
| ... ich meine Bachelorarbeit in diesem Semester abgebe, … | … kann ich ein halbes Jahr ins Ausland gehen, bevor der Master anfängt |
| ... ich die Einleitung meiner Hausarbeit in dieser Woche fertig bekomme, … | … kann ich am Wochenende mit Freund*innen an den See fahren |
Wenn du mit Belohnungen als Motivationshilfe einsetzen möchtest, dann beachte folgende Punkte:
Zusammenfassend: Um aus einem Motivationstief herauszufinden, solltest du v.a. deinen eigenen Gestaltungsspielraum nutzen, dir motivierende Arbeitsbedingungen schaffen und dir auch motivierende Ziele formulieren. Gut ist es auch, wenn du dir den Wert einer Aufgabe verdeutlichst und dir klar machst, wie dich das Erledigen der Aufgabe deiner Vision näherbringt. Genauso hilft es, wenn du deine Zuversicht stärkst, durch kleine Fortschritte, die du sichtbar machst oder kleine machbare Aufgaben und erste Arbeitsschritte. Wie genau du hierbei vorgehen kannst, zeigen wir dir in unseren Kapiteln „Wie schaffe ich meine Aufgaben?“ und „Wie komme ich immer wieder gut ins Arbeiten?“
Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223-238.
Reichel, T. (2020). Busy is the new stupid. Finanz Buch.
Groß, H. (2011). Lernlust statt Paukfrust: Mit deinen Motivatoren leichter lernen in Schule, Studium und Beruf. Schilling.
Fischer-Epe, M. & Epe, C. (2010). Selbstcoaching. Hintergrundwissen, Anregungen und Übungen zur persönlichen Entwicklung. Rowohlt Taschenbuch.