zum Hauptinhalt wechseln zum Hauptmenü wechseln zum Fußbereich wechseln Universität Bielefeld Play Search

Titel

Skills Logo
Campus der Universität Bielefeld
© Universität Bielefeld

Wie kann ich mich gut motivieren?

Dir wurde bestimmt schon von vielen Seiten gesagt, wie wichtig „Eigenmotivation“ für das erfolgreiche Bewältigen eines Studiums sei. Leider fällt Motivation nicht vom Himmel. Und wie genau du jetzt die Motivation aufbauen sollst, um all die Aufgaben anzugehen, die das Studieren mit sich bringt, hat dir vielleicht keiner so richtig mitgeteilt.
Deshalb wird es hier darum gehen, was genau du tun kannst, um dich selbst zu motivieren und einen Weg heraus aus deinem Motivations-Tief zu finden.

In der Psychologie wird Motivation mit Hilfe des Erwartung-mal-Wert-Modells erklärt. Motivation wird dabei als Produkt aus Erwartung (Wie sehr erwarte ich bzw. etwas sprechender, wie zuversichtlich bin ich, dass ich das Ziel erreichen kann?) und dem Wert, den die Zielerreichung für mich hat, verstanden: Motivation = Erwartung * Wert
Kurz: Motiviert bin ich, wenn ich ein Ziel habe, das es mir wert ist und die Überzeugung, dass ich es schaffen kann. Wenn einer der beiden Faktoren bei 0 liegt, dann ist meine Motivation bei 0. Das lässt sich gut anhand eines Bergaufstiegs veranschaulichen. Einerseits kann ich über die notwendige Fitness verfügen. Wenn es für mich jedoch keinen Wert darstellt, den Berg zu besteigen, werde ich es nicht tun. Im umgekehrten Fall kann ich dem Erklimmen des Bergs zwar einen hohen Wert zuschreiben. Wenn ich aber mit Fieber im Bett liege, ist meine Zuversicht, dies zu schaffen ebenfalls bei 0 und ich werde den Berg nicht besteigen. Das Modell wird in einem Video ausführlicher vorgestellt, das im Forschungsprojekt „Selbstregulation im Alltag von Studierenden (SriAS)“ entstanden ist. 
 
In unserem Berg-Beispiel ist das Erreichen des Gipfels das große übergeordnete Ziel, die Vision. Damit du deine Vision erreichen (also deinen Gipfel erfolgreich besteigen) kannst, solltest du die verschiedenen Ebenen des Zeitmanagements im Blick behalten. Eine Vision zu haben, ohne aber konkrete zielbezogene Aufgaben zu erledigen, bringt dich vermutlich nicht weit. Gleichzeitig ist es wenig hilfreich, wie in einem Hamsterrad tagtäglich anfallende Aufgaben zu bearbeiten, ohne genauer zu reflektieren, ob dich diese deinem großen Ziel näherbringen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass die verschiedenen Ebenen des Zeitmanagements (siehe Abb. Motivationsmodell) aufeinander aufbauen.
Wenn du dann auch noch ein Ziel hast, das dir besonders wichtig ist (es also einen hohen subjektiven Wert hat) und du zuversichtlich bist, die dafür notwendigen Aufgaben schaffen zu können (positive Erwartung), dann wirst du dich gut motivieren können!

Du stehst vor einer großen Aufgabe, die auch einen hohen Wert für dich hat, du hast aber kaum Zuversicht und denkst „Ich kann das nicht!“? Dann: 

Wenn du denkst "ich kann das nicht", dann schreibe dir 10 Aufgaben auf, die du ganz sicher erledigen kannst und die dich bei deinem Projekt einen Schritt weiterbringen. Vielleicht denkst du "Ich werde diese Prüfung niemals bestehen!", dann notiere dir Aufgaben wie:

  1. Ich sammle mein Material zur Vorlesung. 
  2. Ich überlege mir eine Struktur für mein Material. 
  3. Ich besorge mir eine Altklausur. 
  4. Ich frage meine Tutorin bzw. meinen Tutor nach einer Empfehlung zur Prüfungsvorbereitung. 
  5. Ich arbeite eine erste Vorlesung nach. 
  6. Ich leihe mir das Grundlagenwerk zum Prüfungsthema aus. 
  7. Ich schreibe mir Karteikarteikarten zur ersten Vorlesung. 

Erledige eine Aufgabe – vielleicht die, die dir am leichtesten fällt – die anderen neun darfst du noch aufschieben.

Du hast das Gefühl, zwar permanent beschäftigt zu sein, ohne aber irgendwelche Ziele zu erreichen? Dann… 

Ohne ein Ziel kannst du nicht ankommen! Indem du Aufgaben planst, sowie Ziele formulierst und schriftlich festhältst, kannst du deine Motivation positiv beeinflussen. Bei der Bestimmung und Formulierung von Zielen sind ein paar Punkte zu beachten. 
(1)    Formuliere zunächst ein Ziel. 
(2)    Überprüfe dieses Ziel dann anhand der folgenden Prüffragen (Fischer-Epe 2010).
(3)    Verändere bei Bedarf dein Ziel und dessen Formulierung.

 

 

Was ist damit gemeint?

 

positiv formuliert
  • Enthält mein Ziel eine Verneinung? Wenn ja, wie kann ich es positiv umformulieren?
attraktiv und motivierend
  • Was macht das Ziel reizvoll für mich?
  • Was hätte ich für mein Leben gewonnen, und welches wichtige Bedürfnis wäre dadurch erfüllt?
  • Was sagen „Bauch“ und „Kopf“ und „Herz“ – ist das Ziel stimmig? 
(selbst-) erreichbar
  • Ist das Ziel realistisch?
  • Liegt die anstrebte Veränderung in meiner Macht und in meinem Einflussbereich?
  • Wessen Unterstützung brauche ich dafür?
konkret-messbar?
  • Woran würde ich merken, dass ich mein Ziel erreicht habe? Woran würden es andere merken? 
  • Was würde ich konkret tun oder anders machen? Wann, wo, mit wem?
„ökologisch“ sinnvoll und verträglich
  • Angenommen, das Ziel ist erreicht, mit welchen Wirkungen und Nebenwirkungen muss ich rechnen? 
  • Was wäre der Preis? Was könnte schwieriger werden? Wer könnte Einwände haben? 
  • Passt das Ziel zu meinen Wertvorstellungen, meinem Selbstverständnis, meinen anderen Zielen im Leben? 

Alternativ kannst du zur Formulierung deiner Ziele die 3-P-Regel (Reichel, 2020) nutzen. Orientiere dich dabei an unserem Beispiel.

Ich möchte frühzeitig und regelmäßig für meine Prüfung lernen. Um dieses Ziel zu erreichen, nutze ich regelmäßig ein bestimmtes Zeitfenster. Ich plane Aufgaben ein und mache meine Lernfortschritte sichtbar. Unterstützend bilde ich eine Lerngruppe und lade sie zu diesem Zeitfenster ebenfalls ein.

Persönlich = schreibe in der Ich-Form

Positiv = schreibe, was du erreichen und nicht das, was du vermeiden möchtest

Präsens = schreibe in der Gegenwart, nicht in der Zukunft. Vermeide auch
Formulierungen die dem Muster „Ich muss mehr X“ folgen.

Du stehst vor einer Aufgabe und bist absolut nicht motiviert diese anzugehen, weil dir der Sinn dahinter fehlt? Dann…


Es kann motivierend sein, deine Vision zu visualisieren, indem du eine Zeichnung oder ein Bild an deinem Arbeitsplatz in deinem Sichtfeld platzierst. Das kann bspw. auch eine Postkarte mit einem passenden Spruch sein. Die Erinnerung an deine Vision, also dein Ziel, kann dir den Wert deiner zu erledigenden Aufgaben verdeutlichen. 

  1. Nimm dir ein paar Minuten Zeit und überlege dir zum Beispiel, wo du in ein paar Jahren stehen möchtest oder wofür du deine aktuelle Arbeit machst.
  2. Visualisiere diese Vision: Zeichne ein einfaches Bild, gestalte eine kleine Collage oder finde ein Foto oder Symbol, das deine Vision gut ausdrückt.
  3. Platziere dieses Bild an einem Ort, den du regelmäßig siehst – zum Beispiel an deinem Schreibtisch, am Bildschirmrand oder auf deinem Notizbuch.
  4. Schau dir das Bild bewusst an, wenn du merkst, dass dir die Motivation fehlt. Erinnere dich daran, warum deine Aufgaben wichtig sind und wie sie dich deiner Vision näherbringen.

Bei Zielen geht es immer darum, den eigenen Gestaltungsspielraum zu nutzen und sich möglichst motivierende Arbeitsbedingungen zu schaffen. Wenn du noch das Gefühl hast, selbst nicht viel gestalten zu können, dann: 

Hast du dich schon einmal gefragt, was Astronaut*innen und Leistungssportler*innen so antreibt? Nein? Kein Problem. Glücklicherweise haben sich nämlich einige Psycholog*innen bereits in den 1970er und 80er Jahren genauer damit befasst, und Harald Groß (2011) arbeitete aus den Ergebnissen letztendlich 14 verschiedene Motivatoren heraus, die Menschen antreiben können. Groß geht davon aus, dass die meisten Personen drei bis vier Hauptmotivatoren haben, die sie besonders motivieren.

Hier sind einige Beispiele, die dir zeigen, wie genau die Motivatoren aussehen können.
Beispiele: 

  • Der Motivator „Fortschritte sehen“ regt dazu an, Fortschritte im eigenen Zeitmanagement sichtbar zu machen. Das kann dann auch die Zuversicht stärken, dass die eigenen Ziele erreicht werden.
  • Hingegen würde der Motivator „Gemeinsam arbeiten“ darauf hinweisen, dass bspw. gemeinsame Lernzeiten mit Kommiliton*innen organisiert und eingeplant, oder auch Gruppenaufträge als Studienleistungen gewählt werden sollten. 
  • Der Motivator „Überzeugungen leben“ kommt zum Tragen, wenn Personen in ihrer Arbeit einen tieferen Sinn sehen. Sie haben meist klare Werte und hohe Ideale. Das Verwirklichen dieser Ideale motiviert sie stark. In der Praxis kann es in diesem Fall helfen, wenn du dir die Frage stellst, weshalb es jetzt Sinn ergeben würde, an deiner Aufgabe weiterzuarbeiten. Kannst du durch sie deine Werte vertreten? Weshalb entspricht die Aufgabe deinen Überzeugungen?

Auf der Webseite von Harald Groß www.lermotivatoren.de kannst du innerhalb weniger Minuten den Motivatoren-Quick-Check durchführen. Dieser Check gibt dir die Möglichkeit, deine persönlichen Hauptmotivatoren zu identifizieren. Mithilfe deiner neu entdeckten Motivatoren kannst du im Anschluss Anforderungen an dein Zeit- und Selbstmanagement ableiten. Schau dir dazu am besten die Praxistipps an, indem du auf die jeweiligen Motivatoren klickst. Kannst du mit den Tipps etwas anfangen? Gibt es Tipps, die du gut in deinen Alltag integrieren kannst? 

Du stehst vor einer Aufgabe und keiner deiner Motivatoren greift? Dann… 

Nicht jede Aufgabe hat einen hohen Wert für uns und auch nicht jede Aufgabe lässt sich mit Interesse und Freude durchführen (vgl. intrinsische Motivation). Dann ist es legitim, sich extrinsisch zu motivieren, indem du dir negative Konsequenzen bewusst machst und meidest oder somit positive Konsequenzen, bspw. über Belohnungen herbeiführst.

Hierfür kannst du so genannte „Wenn-Dann-Sätze“ nutzen, über die du dir eine Belohnung verdeutlichst, die du dir nach der Erledigung der Aufgaben erarbeitet hast. Alternativ kannst du auch die Konsequenzen herausarbeiten, die eintreten, wenn du die Aufgabe nicht oder verspätet erledigst.

Wenn du die Konsequenzen einer nicht erledigten Aufgabe siehst, kann dich das in manchen Situationen zum Anfangen motivieren. In anderen Situationen merkst du vielleicht auch, dass die Konsequenzen gar nicht so gravierend sind und kannst damit eine Aufgabe auf einen anderen Zeitpunkt verlegen.

Wenn... Dann...
Ich meine Bachelorarbeit in diesem Semester nicht abgebe, … … habe ich keine freie Zeit, bevor mein Master anfängt
Ich die Einleitung meiner Hausarbeit in dieser Woche nicht fertig bekomme, … … muss ich am Wochenende weiterarbeiten und habe kaum Freizeit

Belohnungen im Allgemeinen können uns zum Arbeiten anspornen. Manchmal ergibt sich aus der Erledigung einer Aufgabe selbst eine Belohnung, manchmal kannst du dir aktiv Belohnungen einräumen.

Auch hier kannst du die „Wenn-Dann-Sätze“ einsetzen, um deine Belohnungen zu planen. Bei Belohnungen ist es wichtig, dass sie vom Umfang her zu der zu erledigenden Aufgabe passen sowie realistisch umsetzbar sind.

Wenn... Dann...
... ich meine Bachelorarbeit in diesem Semester abgebe, … … kann ich ein halbes Jahr ins Ausland gehen, bevor der Master anfängt
... ich die Einleitung meiner Hausarbeit in dieser Woche fertig bekomme, … … kann ich am Wochenende mit Freund*innen an den See fahren

Wenn du mit Belohnungen als Motivationshilfe einsetzen möchtest, dann beachte folgende Punkte: 

  • Definiere zunächst erreichbare Ziele, z.B. Tages-/ Wochenziele oder Meilensteine in deinem Projekt 
  • Setze dir als Ziel entweder eine bestimmte Arbeitszeit (drei Stunden für die Prüfung lernen) oder einen bestimmten Inhalt (Referat fertigstellen) setzen. 
  • Belohne dich mit etwas, das dir guttut und dir Freude bereitet: Zeit mit Freunden, gutes Essen, Kino, ein neues Buch, Eis, eine Radtour, shoppen, … Am besten sammelst du deine Wünsche und erstellst dir deine ganz persönliche Belohnungsliste. 
  • Deine Belohnung sollte so gewählt sein, dass du – wenn auch ungern – auf sie verzichten kannst, wenn du dein Ziel nicht erreichst. 
  • Achte darauf, dass deine Belohnung auch dem Arbeitsaufwand deines Zieles angemessen ist (z.B. 2 Stunden Recherche = Eis essen / Masterarbeit schreiben = in den Urlaub fahren).
  • Visualisiere deine Belohnung, indem du sie aufschreibst oder dir ein passendes Bild an deinen Arbeitsplatz legst.

Zusammenfassend: Um aus einem Motivationstief herauszufinden, solltest du v.a. deinen eigenen Gestaltungsspielraum nutzen, dir motivierende Arbeitsbedingungen schaffen und dir auch motivierende Ziele formulieren. Gut ist es auch, wenn du dir den Wert einer Aufgabe verdeutlichst und dir klar machst, wie dich das Erledigen der Aufgabe deiner Vision näherbringt. Genauso hilft es, wenn du deine Zuversicht stärkst, durch kleine Fortschritte, die du sichtbar machst oder kleine machbare Aufgaben und erste Arbeitsschritte. Wie genau du hierbei vorgehen kannst, zeigen wir dir in unseren Kapiteln „Wie schaffe ich meine Aufgaben?“ und „Wie komme ich immer wieder gut ins Arbeiten?“

Deci, E. L., & Ryan, R. M. (1993). Die Selbstbestimmungstheorie der Motivation und ihre Bedeutung für die Pädagogik. Zeitschrift für Pädagogik, 39(2), 223-238.

Reichel, T. (2020). Busy is the new stupid. Finanz Buch.

Groß, H. (2011). Lernlust statt Paukfrust: Mit deinen Motivatoren leichter lernen in Schule, Studium und Beruf. Schilling.

Fischer-Epe, M. & Epe, C. (2010). Selbstcoaching. Hintergrundwissen, Anregungen und Übungen zur persönlichen Entwicklung. Rowohlt Taschenbuch.

Zum Seitenanfang