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Medizinische Fakul­tät OWL

Campus der Universität Bielefeld
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Epidemiologie und Methodenforschung

Operationalisierung von Geschlecht für die quantitative medizinische Forschung

Sankey Plot
Daten aus dem Sozioökonomischem Panel, Welle v39 aus dem Jahr 2022. DOI: 10.5684/soep.core.v39eu. Publication date: 2024-10-17; Data Use Access Number: 7168. © Eva Becher

Ziel der geschlechtersensiblen Medizin ist die durchgängige Berücksichtigung der Rolle von Geschlecht – biologisch und soziokulturell – in Forschung, Lehre und Versorgung. Geschlechterunterschiede können bei der Entstehung von Erkrankungen, bei der Häufigkeit und Verbreitung von Erkrankungen, bei der Diagnose, bei Therapieoptionen sowie in Prävention und Gesunderhaltung auftreten. In der Forschung findet die Berücksichtigung von Geschlecht bisher jedoch zu wenig statt.

Geschlecht ist ein Oberbegriff für sehr verschiedene Eigenschaften eines Menschen. Mit diesem Begriff können biologische Merkmale gemeint sein, wie zum Beispiel anatomische Unterschiede, Konzentration von Hormonen im Blut oder Genexpressionsmuster. Geschlecht kann sich auch auf das Individuum beziehen und die selbst wahrgenommen Geschlechtsidentität beschreiben. Darüber hinaus kann sich das eigentliche Forschungsinteresse aber eher auf die Effekte der Gesellschaft in ihrem zeitlichen und kulturellen Kontext beziehen, da diese zu Unterschieden im gesundheitsrelevanten Verhalten, wie zum Beispiel der Bereitschaft zu Prävention oder zu risikobehaftetem Verhalten, führen.

Daher ist die Frage zu stellen, welche Aspekte von Geschlecht für eine übergeordnete medizinische Forschungsfragestellung relevant sind, und mittels welcher Methodik diese erhoben werden können.

Geschlecht wird in der Medizin bisher auf allen Ebenen meistens als binärer Parameter erhoben. Die Komplexität, Variabilität und Multidimensionalität des Konstruktes Geschlecht lässt sich jedoch mit einer kategorialen Variable mit den Ausprägungen „männlich“ und „weiblich“ nicht ausreichend differenziert darstellen. Es braucht neue Instrumente zur Erfassung von Geschlecht beispielsweise in epidemiologischen Studien und zur Berücksichtigung von Geschlecht in interventionellen Studien.

Nur eine differenzierte und klar definierte Erfassung und Berücksichtigung von geschlechtsabhängigen Eigenschaften und Ausprägungen in der medizinischen und epidemiologischen Forschung kann zu einer geschlechtersensiblen Forschung und im Ergebnis zu einer angemessenen, zielgruppengerechten und erfolgreichen medizinischen Behandlung führen.

Publikationen:

Becher E, Oertelt-Prigione S (2025): Gender trouble: advantages and challenges in using a two-step question to assess sex and gender identity in health care research. Kongressbeitrag Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie 2025, Münster. Public Health Forum, vol. 33, no. s1, 2025, pp. 1-575. https://doi.org/10.1515/pubhef-2025-8001

Horstmann S, Schmechel C, Becher E, Oertelt-Prigione S, Palm K, Bolte G (2024): DIVERGesTOOL – Entwicklung einer Toolbox zur Erfassung geschlechtlicher Vielfalt in der quantitativen Gesundheitsforschung. Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz. https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-024-03915-4

Becher E, Oertelt-Prigione S (2023) The Impact of Sex and Gender in Medicine and Pharmacology. Handbook of experimental pharmacology: 1-21. https://link.springer.com/chapter/10.1007/164_2023_688

Becher E, Oertelt-Prigione S (2022) History and development of sex- and gender sensitive medicine (SGSM) International Review of Neurobiology. https://www.sciencedirect.com/science/chapter/bookseries/abs/pii/S0074774222000666?via%3Dihub

Ansprechpersonen:

Dr. Eva Becher

Prof. Dr. med. Sabine Oertelt-Prigione

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