
In der Universität kommen Menschen unterschiedlichster Positionierungen und Perspektiven zusammen. Die universitäre Lehre erfordert daher eine diversitätssensible Perspektive der Lehrenden und diskriminierungssensible Lehrkonzepte. Diese fehlen aktuell weitestgehend im universitären (Lehr-)Alltag.
Ziel des Forschungsprojekts ist es daher, das subjektive Diskriminierungserleben von Studierenden an der Medizinischen Fakultät OWL zu erfassen. Neben einer Erhebung von Diskriminierungserleben der Medizinstudierenden im Rahmen ihrer Ausbildung an der Medizinischen Fakultät OWL wollen wir auch mittels qualitativer Interviews potenzielle Lösungsansätze für eine diskriminierungsfreie(re) Lehre identifizieren. Aufgrund ihrer reflektorischen (Binnen-)Perspektive aktueller Lehrstrukturen können die Erfahrungen und das Wissen von Medizinstudierenden hinsichtlich Diskriminierung in der medizinischen Ausbildung somit für Handlungsmöglichkeiten in Richtung antidiskriminierende Lehre herangezogen werden.
Ansprechpersonen:
Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione
Das Geschlechterbewusstsein (sog. Gender Awareness) stellt eine Schlüsselkompetenz dar, das Wissen über geschlechterspezifische Aspekte in das eigene (medizinische) Handeln zu integrieren (Verdonk et al., 2008). Ein deutschlandweiter Status quo bezüglich der Gender Awareness Studierender fehlt. In dem Projekt erfolgt eine quantitative Querschnittserhebung der Gender Awareness Medizinstudierender mithilfe der deutschen Version der Nijmegen Gender Awareness in Medicine Scale (N-GAMS) an allen Medizinischen Fakultäten in Deutschland. Die statistische Auswertung untersucht, wie der Status quo der Gender Awareness bei Medizinstudierenden in Deutschland ist, und, ob potentielle Einflussfaktoren wie die besuchte Universität, Fachsemester, Alter, Geschlecht, sexuelle Orientierung, Diskriminierungserfahrungen und Integration gendermedizinischer Lehrveranstaltungen einen Einfluss auf die Gender Awareness von Medizinstudierenden zeigen.
Ansprechpersonen:
Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione
Ziel dieses Projekts ist es, die Integration von Sex/Gender- und Diversitätsaspekten in der medizinischen Lehre umfassend zu evaluieren. Während bisherige Curriculumsanalysen sich überwiegend auf Inhalte konzentrieren, wurden Sprache und Bilddarstellung als zentrale Elemente des Hidden Curriculum bislang kaum berücksichtigt. Auf Basis der Fachliteratur entwickeln wir eine strukturierte Checkliste, die neben inhaltlichen Aspekten explizit die Verwendung von Sprache und Bildern einbezieht. Analysiert werden die Skripte aller Vorlesungen des Pflichtcurriculum-Bereichs der ersten beiden Studienjahre (äquivalent Vorklinik) an der Medizinischen Fakultät OWL. Die Ergebnisse werden in Kommissionen der Fakultät vorgestellt und mit den Fachbereichen geteilt. Im weiteren Verlauf des Projektes ist die Implementierung einer Checkliste zur Integration von Geschlechter- und Diversitätsaspekten in Lehrmaterialien geplant, sowie eine begleitende Implementierungsforschung.
Ansprechpersonen:
Prof. Dr. Sabine Oertelt-Prigione
Die Lehre geschlechtersensibler Medizin beinhaltet Informationen zu biologischen Unterschieden (sex) und sozialen/interaktiven Aspekten (gender). Dementsprechend sind bei der geschlechtersensiblen Lehre Faktoren jenseits der expliziten Faktenvermittlung relevant. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „hidden curriculum“, eine Abspiegelung der Organisationskultur welche Studierenden implizit Gendernormen vermittelt, die sie in der Patient_innenversorgung reproduzieren. Ebenfalls kann die geschlechtersensible Lehre unterschiedliche Implementierungstiefe aufweisen, welche die Erwerbung von Fachkompetenzen prägt. Das dafür entwickelte Edu-GRAS Modell kann bei der Einschätzung der Implementierungstiefe geschlechtersensibler Inhalte in medizinischen Curricula helfen, ebenfalls kann es als Planungsinstrument die Weiterentwicklung der curricularen Einbindung unterstützen.
Publikationen:
https://journals.sagepub.com/doi/full/10.1177/23821205241304531
https://www.nature.com/articles/s44294-025-00080-0
Ansprechpersonen: