
Ein Großteil der computergestützten Forschung zu Emotionen in der Literatur nutzt Verfahren der sogenannten Sentimentanalyse, die eher generalisierend emotionale Valenz misst, anstatt zu untersuchen, wie spezifische Figuren Gefühle explizit beschreiben und artikulieren. Dieses Projekt untersucht diachrone Muster in der sprachlichen Beschreibung von Emotionen im Britischen Drama und beleuchtet, wie Figuren ihre eigenen emotionalen Zustände und die anderer durch direkte Benennung, Metaphern und narrative Reflexion darstellen.
Auf der Grundlage eines Korpus von 430 britischen Theaterstücken aus dem 16. und 17. Jahrhundert, das aus dem Drama Corpora Project (DraCor) stammt, untersucht die Studie mittels höherskalierender computergestützter Analysen drei zentrale Forschungsfragen: (1) Wie verändern sich Beschreibungen von Emotionen im Laufe der Zeit? (2) Wie unterscheiden sich emotionale Beschreibungen zwischen den Genres (Tragödie, Komödie und Tragikomödie)? Und (3) beeinflusst die Identität der Figur die Art und Weise, wie Emotionen dargestellt werden?
Auf der Grundlage verschiedener Emotionstheorien zielt das Projekt darauf ab, eine quantitative Literaturgeschichte der Emotionsbeschreibungen in frühneuzeitlichen britischen Dramatexten zu erstellen.
Beteiligte Wissenschaftler:innen

Gretel Goh ist Doktorandin im dritten Jahr am Institut für Anglistik, Linguistik und Theaterwissenschaft der National University of Singapore. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf computergestützten Methoden für die Literaturwissenschaft. In ihrer Doktorarbeit untersucht sie Methoden zur Emotionserkennung unter Verwendung von LLMs, um emotionale Verläufe in der englischen Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts abzubilden. Sie unterrichtet den Kurs GEI1002 „Computers and the Humanities“ an der National University of Singapore und hat am Language and Communication Centre der Nanyang Technological University unterrichtet.
Zwischen August und Dezember 2026 kommt sie als Gastdoktorandin an die Universität Bielefeld und absolviert einen Forschungsaufenthalt an der AG von Berenike Herrmann.