• Fünfzig Jahre Universität Bielefeld 1969 - 2019

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Organisation des Workshops

Prof''in Dr. Ulrike Davy

Telephone
+49 521 106-4400
Telephone secretary
+49 521 106-6893
Room
H-Gebäude H0-40

Dr. Stephan Becker

Kanzler

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+49 521 106-3001
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UHG U7-231

Workshop Kontroversen

Die Universität Bielefeld ist 50 Jahre alt, ein Anlass zum Feiern und ein Anlass zum Nachdenken. Die Veranstaltung mit dem Titel „Kontroversen“ will Anstöße zum Nachdenken geben: Gibt es im Lauf der vergangenen 50 Jahre im Leben und Wirken der Universität Bielefeld Geschehnisse oder Personen, die kontrovers gesehen wurden? Wie stehen wir heute dazu? Die Veranstaltung wird von Prof. Dr. Ulrike Davy, Professorin an der Fakultät für Rechtswissenschaft und Dr. Stephan Becker, Kanzler der Universität Bielefeld, organisiert. Die Veranstaltung ist Teil des wissenschaftlichen Programms zum 50-jährigen Jubiläum der Universität Bielefeld. Die Veranstaltung ist öffentlich. Interessierte aus der Universität und der Stadt sind willkommen und eingeladen, sich an der Diskussion über Kontroversen – auch kontrovers – zu beteiligen.

 

Programm:

Die Veranstaltung gliedert sich in drei Panels, die Zeitzeugen und Unbeteiligte zusammenführen. Alle Panelist*innen haben einen Bezug zur Universität Bielefeld. Sie werden die allgemeine Diskussion mit kurzen Stellungnahmen einleiten.

Panel I „Studienbeiträge und Streitkultur“ (Panelist*innen: Dr. Wiebke Esdar, MdB; Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer; Prof. Dr. Dieter Timmermann; Moderation: Prof. Dr. Johannes Hellermann), Mittwoch, 4.12.2019, 14–15.30 Uhr, X-E0-001

Die Einführung von Studienbeiträgen im Sommer 2006 an der Universität Bielefeld war von heftigen Auseinandersetzungen begleitet. Das Treffen des Senats, bei dem es zur entscheidenden Beschlussfassung kam, wurde gestört und gestürmt. Räumlichkeiten des Rektorats waren nach der Beschlussfassung wochenlang von Studierenden besetzt. Toilettenanlagen und Zimmer von Senatsmitgliedern waren Ziel von Brand- und Schmieranschlägen. Der Rektor, Prof. Dr. Dieter Timmermann, erhielt – weil gefährdet – für einige Zeit Personenschutz. Wie sehen wir die Ereignisse heute, mehr als 10 Jahre später, vor allem unter dem Blickwinkel der Streitkultur, vielleicht auch einer studentischen Streikkultur? Wo verlaufen die Grenzlinien zur Gewalt? Und mit Blick auf aktuelle Entwicklungen: Wie positioniert sich die Universität im Streit zu einer Bewegung von rechts?

Panel II „Reformpädagogik: Jüngere Vergangenheit und Zukunft“ (Panelist*innen: Prof. Dr. Sabine Andresen; Prof. Dr. Volker Kraft; Prof. Dr. Heinz-Elmar Tenorth; Moderation: Prof. Dr. Ulrike Davy und Prof. Dr. Oliver Böhm-Kasper), Mittwoch, 4.12.2019, 16–17.30 Uhr, X-E0-001

In dem Panel wird die Reformpädagogik aus unterschiedlichen Perspektiven und hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Reformuniversität Bielefeld thematisiert. Als kontrovers zu diskutierende lassen sich Fragen danach ausmachen, welche Bedeutung die Reformpädagogik historisch für die Erziehungswissenschaft hat, ob sie noch einen positiven Bezugspunkt für heutige Schulentwicklung darstellen kann und wie äußere Kontexte und innere Dynamiken reformpädagogischer Schulprojekte in Spannungsverhältnisse geraten.

Panel III „Helmut Schelsky: Unstrittene Gründungsfigur“ (Panelist*innen: Dr. Kinga Golus; Prof. Dr. Ulrike Davy; Prof. Dr. Oliver Flügel-Martinsen; Prof. Dr. Ingrid Gilcher-Holtey; Prof. Dr. Hermann Korte; Moderation: Prof. Dr. Martin Carrier), Freitag, 6.12.2019, 9–11 Uhr, X-E0-001

Nach dem Gründungsnarrativ ist Helmut Schelsky Gründer und Planer der Universität in Ostwestfalen (später: Universität Bielefeld). Schelsky schrieb die Blaupause für das Zentrum für interdisziplinäre Forschung, für die er sich Inspiration in Princeton und Paris holte. Der Soziologe Schelsky engagierte sich also nicht nur in der Nachkriegswissenschaft, sondern auch in der Hochschulpolitik, und zwar mit nachhaltigem Erfolg. Auf der anderen Seite war Schelsky verärgert über die eigene Fachdisziplin, verließ Bielefeld im Streit, verbrachte einen einsamen Lebensabend im österreichischen Burgenland. Noch in der Planungsphase für eine Universität in Ostwestfalen holte ihn die eigene Vergangenheit als junger Wissenschaftler in Leipzig ein: 1934 hatte er eine Schrift veröffentlicht, in der er sich offen zum Nationalsozialismus bekannte. Eine in den 1960er Jahren darüber geführte öffentliche Debatte sollte seine hochschulpolitische Autorität in Frage stellen. Wer war Helmut Schelsky, aus heutiger Perspektive?