

Im physikalischen Grundpraktikum (GP) sollen Fach- und Lehramtsstudierende grundlegende experimentelle Kompetenzen erwerben. Aufgrund begrenzter Ressourcen wird jedoch mit vorab aufgebauten Versuchen gearbeitet – was zwar einen effizienten Ablauf ermöglicht, aber den Erwerb von Kompetenzen aus den Bereichen der Planung und des funktionsfähigen Aufbaus von Experimenten ausschließt (Nawrath et al., 2011). Das Projekt reagiert auf diesen von Studierenden und Lehrenden identifizierten Innovationsbedarf, indem die bestehenden textbasierten Materialien durch ein Moodle-basiertes Versuchsskript, das interaktive Experimentiervideos, digitale Mini-Docs und ein integriertes Feedbacksystem kombiniert, methodisch und medial erweitert werden. Kern sind die interaktiven Experimentiervideos mit zum Teil bewusst eingebauten Fehlern im Aufbauprozess. Die Studierenden setzen sich im Sinne des Konzepts des productive failure (Kapur, 2024) über die Videos aktiv mit den Phasen der Planung und des Aufbaus von Experimenten auseinander und erwerben auf dieser Grundlage fachlich grundlegende Prinzipien und Kompetenzen. Die Materialien werden iterativ mit Studierenden konzipiert, erprobt und evaluiert. Eine langfristige Integration in das Grundpraktikum sowie eine Bereitstellung als Open Educational Resource sichern die Verstetigung und den Transfer über die Universität Bielefeld hinaus.
Im Rahmen von Praktika verwenden Studierende oft vorgefertigte Versuchsanleitungen sowie erprobte und aufgebaute Versuche, wodurch methodische Fehler selten auftreten. Studierende haben daher nur begrenzt Gelegenheit, Fehler eigenständig zu identifizieren und zu korrigieren, was jedoch für ihre zukünftige berufliche Praxis, insbesondere im Schulbereich, wesentlich ist. Experimentiervideos können zur Identifikation methodischer Schwächen und Störfaktoren im jeweiligen Experimentiersetting unterstützend eingesetzt werden (Stinken-Rösner & Meier, 2023). In einem Praktikumskonzept sollen daher mithilfe von Experimentiervideos typische Fehlerszenarien simuliert, und verschiedene Handlungsalternativen zur Wahl gestellt werden, die am Realexperiment erprobt werden sollen. Ziel ist die Förderung experimenteller Fähigkeiten, insbesondere mit Fokus auf den Teilbereich „Experimente funktionsfähig aufbauen“ (Nawrath et al., 2011), indem die Studierenden lernen, kritisch über Experimentieraufbauten nachzudenken und die in den Videos angebotenen Problemlösungsstrategien anzuwenden. Die Evaluation des Projekts konzentriert sich auf die Verbesserung der experimentellen Fähigkeiten der Studierenden, indem in den Videos die Stellen identifiziert werden, an denen die Studierenden methodische Schwächen im Experimentieraufbau erkennen und z.B. alternative Versuchsaufbauten vorschlagen. Zusätzlich sollen retrospektive Interviews durchgeführt werden (Stinken-Rösner, 2024).