
Im Rahmen des Medical & Clinician Scientist Kollegs (MeCS-Kol) werden in vier thematischen Säulen wissenschaftliche Fragestellungen zur transsektoralen und ambulanten Versorgung adressiert. Zwölf Kollegiat*innen verschiedener Karrierestufen (Promovierende, Postdocs / Clinician Scientists) und aus unterschiedlichen Fachgebieten/Professionen werden zukünftig an den Projekten interdisziplinär und sektorenübergreifend im Rahmen des Kollegs zusammenarbeiten. Durch gemeinsame Qualifizierungsangebote und Veranstaltungen sollen Synergien genutzt und eine fachübergreifende Zusammenarbeit ermöglicht werden.
Dieses Projekt stellt eine Kooperation der Universität Bielefeld mit der Universität zu Köln dar und behandelt sich mit der Entwicklung eines Diagnostikverfahrens für Menschen, die durch erlittene Hirnschäden eine kognitive Kommunikationsstörung entwickelt haben. Diese Störungen können die erneute Eingliederungen von betroffenen Menschen in den Alttag erschweren, bleiben aber trotzdem oft unerkannt. Daher soll hier ein innovatives Diagnostikverfahren ansetzen und diese Forschungslücke füllen.
Das Diagnostikverfahren mit dem Namen Commbi (Cologne-Bielefeld Communications Assesment Combinded) stell sich aus zwei verschiedenen Komponenten zusammen: Dem Patient Reported Outcome Measure (PROM), das eine Selbstbeurteilung der betroffenen Menschen anhand standardisierter Methoden darstellt, sowie FUNC, einem VR-gestützten funktionsorientierten Verfahren zur alltäglichen Kommunikationsfähigkeit.
Das Projekt befindet sich seit Oktober 2026 in seiner nächsten Phase und arbeitet nun unter dem Namen DigiDi 2.0 an der Finalisierung und klinischen Testung des Diagnostikverfahrens.
Genauere Infos über das Projekt, seine Ziele und Umsetzung, können hier auf der Website der Universität zu Köln gefunden werden.
Projekt B05 untersucht ko-konstruktive Erklärbarkeit im interaktiven Roboterlernen, mit Fokus auf die doppelte Schleife aus Training und Verständnis. In diesem Ansatz trainieren Menschen einen Roboter (Trainingsschleife) und entwickeln gleichzeitig ein Verständnis für dessen Lernverhalten (Verstehensschleife). Erklärungen werden nicht separat bereitgestellt, sondern entstehen während der Interaktion, wodurch eine kontinuierliche Abstimmung zwischen den mentalen Modellen der Menschen und dem Verhalten des Systems ermöglicht wird.
Aufbauend auf früheren Arbeiten zur zugrunde liegenden Architektur entwickeln wir ein dynamisches Erklärungsmodell, das relevante Konzepte, Hintergrundwissen und Erklärungsabläufe strukturiert. Dieses Modell unterstützt ein adaptives „Scaffolding“ (didaktische Unterstützung), das an den Nutzungskontext und das sich entwickelnde Verständnis angepasst ist.
Genauere Infos über das Projekt und seine Forschung gibt es hier.
In diesem Projekt werden Patient*innen mit einer sozialen Angsterkrankung (SAD) und einer schizophrenen Erkrankung sowie einer Autismusspektrumstörung (ASS) untersucht. Im Zentrum der Untersuchungen steht die soziale Interaktion von Menschen mit psychischer Erkrankung, bzw. deren möglicherweise gestörte Wahrnehmung von sozialen Signalen, die für den Austausch und die Interaktion mit anderen notwendig sind. Wir stellen die Theorie auf, dass gestörte soziale Interaktion bei Patient*innen mit psychischen Erkrankungen ursächlich in der gestörten Wahrnehmung und Verarbeitung sowie Nachahmung (Mimikry) von Körpersignalen zu finden ist. Gemessen werden Markersignale für den sozialen Austausch während interaktioneller Aufgaben (Emotionserkennung, Vertrauens-/Investitionsspiel): Muskelbewegungen im Gesicht anhand einer Elektromyographie (EMG-) Untersuchung, Pupillenweite, Rötung des Gesichts und Hautleitfähigkeit der Proband*innen (zur Messung des Erregungszustands).
Im Zentrum steht hierbei im Vortrag die Interaktion mit Avataren in einer virtuellen Umgebung, die die Manipulation sozialer Signale und eine zeitgenaue Messung von Reaktionen auf diese zulassen. Die Untersuchungen dienen dazu, theoretische Grundlagen sozialer Interaktion zu identifizieren und neue Theorien zum Zusammenhang von Körpersignalen und Aufbau von Bindung zu überprüfen, langfristig jedoch auch dazu, den Umgang mit Patient*innen zu verbessern und deren soziale Interaktionsfertigkeit zu schulen.
Für genauere Infos kann dieser Link angeklickt werden.
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) wird bei Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen (IB) häufig übersehen oder falsch diagnostiziert. Herkömmliche Diagnosemethoden, wie Selbstberichte und externe Beurteilungen, sind in dieser Bevölkerungsgruppe oft unzuverlässig, da kognitive Einschränkungen, Kommunikationsbarrieren und überlappende Symptome mit anderen Erkrankungen die Diagnosestellung erschweren. Dadurch bleiben viele Betroffene undiagnostiziert oder erhalten eine unangemessene Behandlung, was zu erheblichen Herausforderungen im Alltag führt.
Um diese Herausforderungen zu bewältigen, entwickelt GAZE-AID einen innovativen, technologiebasierten Ansatz zur ADHS-Diagnose. In Zusammenarbeit zwischen der Universitätsklinik für Inklusive Medizin und der AG Medizinische Assistenzsysteme zielt dieses Forschungsprojekt darauf ab, Blickverfolgungstechnologie in den diagnostischen Prozess zu integrieren. Unser Ziel ist es, ein diagnostisches Instrument zu entwickeln, das präzise, zugänglich und auf die Bedürfnisse von Menschen mit IB zugeschnitten ist. Durch eine verlässlichere Methode zur Beurteilung von ADHS-Symptomen kann GAZE-AID gezieltere Behandlungen ermöglichen, das Risiko einer Übermedikation verringern und letztlich die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Langfristig könnte unsere Forschung den Weg für eine breitere Anwendung der Blickverfolgungstechnologie bei neurodevelopmentalen und psychiatrischen Störungen ebnen, wodurch die diagnostischen Standards und die individuelle Betreuung optimiert werden.
Genauere Infos zum Projekt können hier entdeckt werden.
PRIMI entwickelt die nächste Generation persönlicher Robotersysteme, die sich autonom in unterschiedlichen Umgebungen bewegen, sicher und wirksam mit Menschen interagieren und ihr Verhalten flexibel an offene, dynamische Situationen anpassen können. Dafür sollen Roboter Veränderungen durch menschliche Handlungen vorhersagen, menschliche Aktivitäten nachvollziehen und diese unter Berücksichtigung ihrer eigenen Fähigkeiten und Grenzen ausführen. Bestehende KI- und Robotikansätze reichen hierfür nicht aus, da ihnen insbesondere die gemeinsame Entwicklung von „Körper“ und „Geist“ sowie skalierbare, energieeffiziente Rechen- und Sensortechnologien fehlen.
PRIMI verbindet deshalb Neurophysiologie, Psychologie, maschinelle Intelligenz, kognitive Mechatronik, neuromorphe Technik und humanoide Robotik. Ziel sind Entwicklungsmodelle höherer kognitiver Fähigkeiten wie mentale Vorstellungskraft, abstraktes Denken und Theory of Mind, kombiniert mit energieeffizienter ereignisbasierter Verarbeitung und Sensorik. Dadurch sollen sozial interaktive Roboter autonomer, schneller, sicherer und präziser handeln sowie in Echtzeit lernen und sich anpassen können. Als technologischer Machbarkeitsnachweis werden Prototypen neuromorpher humanoider Roboter in klinischen Pilotstudien zur robotergestützten körperlichen Rehabilitation von Schlaganfallpatientinnen und -patienten erprobt.
Um mehr über PRIMI herauszufinden, kann diesem Link gefolgt werden.
Medizinische Untersuchungen und Behandlungen können für Menschen mit geistigen Einschränkungen oder Hirnverletzungen eine erhebliche Belastung darstellen. Unbekannte Umgebungen, komplexe Abläufe und Kommunikationsbarrieren können Ängste verstärken und den Zugang zur medizinischen Versorgung erschweren. Das Projekt VR*IM setzt hier an und nutzt Virtual Reality, um Patient*innen auf medizinische Situationen barrierefrei, verständlich und unterstützend vorzubereiten.
In interaktiven VR-Szenarien können Patient*innen medizinische Umgebungen erkunden, Abläufe Schritt für Schritt kennenlernen und geeignete Bewältigungsstrategien einüben. So lässt sich beispielsweise eine Blutabnahme bereits vor dem eigentlichen Eingriff virtuell erleben. Dies reduziert Unsicherheiten, stärkt das Sicherheitsgefühl und fördert die Selbstwirksamkeit. Ein zentrales Ziel ist dabei die Selbstermächtigung der Patient*innen und ihre aktivere Beteiligung an der eigenen Versorgung. Durch einen partizipativen Designansatz, der Patient*innen, Ärzt*innen und Forschende einbezieht, soll VR*IM dazu beitragen, Stress zu reduzieren und die Gesundheitsversorgung inklusiver und barrierefreier zu gestalten.
Weitere Informationen können hier nachgelesen werden
Ziel des Modellprojekts BRAVO war der Aufbau eines Beratungszentrums für Assistive Technologien in Bethel. Menschen mit Behinderung sollten dort individuell dabei unterstützt werden, geeignete technische Hilfsmittel für ihren Alltag zu finden und diese selbstständig und sinnvoll zu nutzen. Dadurch sollten insbesondere die digitale und gesellschaftliche Teilhabe sowie die Eigenständigkeit der Nutzenden gestärkt werden. Das von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderte Projekt wurde gemeinsam von Bethel.regional, der Hochschule Bielefeld und der Universität Bielefeld umgesetzt.
Im Mittelpunkt stand eine personenzentrierte Beratung, die nicht nur technische Eigenschaften eines Hilfsmittels berücksichtigte, sondern vor allem die individuellen Bedürfnisse, Fähigkeiten und Lebensbedingungen der Nutzenden. Die Universität Bielefeld untersuchte hierzu insbesondere zwei Bereiche: die Gebrauchstauglichkeit Assistiver Technologien und die Frage, wie deren Funktionsweise verständlich vermittelt werden kann. Im Bereich Usability wurde erforscht, wie Menschen mit Behinderung die ausgewählten Assistenzsysteme bewerten und welche Faktoren darüber entscheiden, ob diese im Alltag tatsächlich genutzt werden können. Die gewonnenen Erkenntnisse wurden systematisch aufbereitet und in einer öffentlich zugänglichen Datenbank bereitgestellt. Darüber hinaus untersuchte das Projekt, welche kognitiven und sozialen Faktoren für eine verständliche Vermittlung Assistiver Technologien relevant sind. Auf dieser Grundlage wurden neue Erklärstrategien für KI-basierte Systeme sowie interaktive Ansätze für die Beratung von Menschen mit Behinderung entwickelt.
Hier sind weitere Infos und Kontaktpersonen zu finden.
Das Projekt GUT untersuchte die bislang unzureichend erforschte Lebens-, Wohn-, Beschäftigungs- und Gesundheitssituation von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und herausfordernden Verhaltensweisen in NRW. Im Mittelpunkt standen insbesondere psychische Gesundheit, soziale Teilhabe sowie Arbeit und Beschäftigung. Durch einen multiperspektivischen und partizipativen Ansatz wurden die Sichtweisen von Betroffenen, Angehörigen, Mitarbeitenden und weiteren Fachpersonen zusammengeführt, um eine belastbare Datengrundlage zu schaffen und daraus Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Versorgungs- und Unterstützungsstrukturen abzuleiten.
Ziel des Projekts war es, die aktuelle Lebenssituation der Zielgruppe in NRW mit einem Methodenmix aus Literaturrecherche, Interviews, Fokusgruppen und einer landesweiten Online-Erhebung systematisch zu erfassen. Dabei wurden quantitative und qualitative Daten miteinander verknüpft und unterschiedliche Akteursgruppen einbezogen. Die Ergebnisse wurden in praxisnahe Empfehlungen zur Verbesserung von Teilhabechancen und Versorgungsangeboten überführt und abschließend wissenschaftlich sowie auf einer Abschlussveranstaltung veröffentlicht.
Im Fokus standen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen und Verhaltensweisen, die ihre eigene Lebensqualität oder Sicherheit beziehungsweise die anderer erheblich beeinträchtigen und zu restriktiven Maßnahmen oder Isolation führen können. Diese Verhaltensweisen werden als Ergebnis bio-psycho-sozialer Wechselwirkungen verstanden. Um die Zielgruppe möglichst umfassend abzubilden, wurden Daten unter anderem in besonderen Wohnformen, Werkstätten, psychiatrischen Einrichtungen und Medizinischen Zentren für erwachsene Menschen mit Behinderung erhoben.
Ausführlichere Informationen können hier gefunden werden
Die Inklusive Medizin befasst sich mit der ganzheitlichen medizinischen Versorgung von Menschen mit körperlichen und/oder intellektuellen Beeinträchtigungen. Diese können angeboren oder erworben sein und häufig mit komplexen Mehrfachbehinderungen einhergehen. Aufgrund der vielfältigen gesundheitlichen Bedarfe bestehen enge Schnittstellen zu nahezu allen medizinischen Fachdisziplinen.
Im Reformstudiengang Humanmedizin der Medizinischen Fakultät Bielefeld lernen Studierende frühzeitig, typische Krankheitsbilder bei Menschen mit Behinderung zu erkennen, differentialdiagnostisch einzuordnen und angemessen zu behandeln. Ein besonderer Fokus liegt auf Barrierefreiheit, dem Abbau von Berührungsängsten sowie dem Erwerb spezifischer kommunikativer Kompetenzen, etwa durch Leichte Sprache, Unterstützte Kommunikation und entwicklungsorientierte Behandlungsansätze.
Ein zentrales Element des Projektes FRiMeL war die Einbindung von Expert*innen in eigener Sache als Lehrende. Sie ermöglicht den Studierenden einen unmittelbaren Perspektivwechsel und vermittelt Erfahrungen aus Sicht der Patient*innen. Zur Vorbereitung wurden die Lehrenden durch Projektmitarbeitende didaktisch geschult und gezielt auf ihre Rolle als Dozierende sowie auf die jeweiligen Lehrformate vorbereitet.
Genauere Infos und Einblicke in die Arbeit des Projektes sind hier zu finden.
Das Projekt „OptiKomm“ zielte darauf ab, die Kommunikation zwischen Gesundheitsfachberufen und Menschen mit kognitiven und/oder sprachlichen Beeinträchtigungen zu verbessern und dadurch ihre Versorgung und Teilhabe im Gesundheitswesen zu stärken. Im Mittelpunkt standen insbesondere Anamnese, Erstversorgung und Therapieentscheidungen sowie die Kommunikation mit Ärzt*innen, Pflegekräften und weiteren Gesundheitsfachberufen.
Grundlage des Projekts war zunächst eine umfassende Bedarfs- und Bedürfnisanalyse auf Basis von Literaturrecherchen, Interviews mit Expertinnen und Betroffenen sowie einer Onlinebefragung von Ärztinnen. Darauf aufbauend wurde ein Schulungskonzept für medizinisches Personal entwickelt, das für die Bedürfnisse der Zielgruppe sensibilisiert und geeignete Kommunikationsmethoden vermittelt. Ergänzend entstanden Materialien zur Unterstützten Kommunikation. Ein inklusiver Beirat wirkte an der Entwicklung mit. Abschließend wurden Schulung und Hilfsmaterialien in unterschiedlichen Einrichtungen des Gesundheitswesens erprobt und evaluiert.
Weitere Infos über das abgelaufene Projekt sind hier zu finden.