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Abgeschlossene projektbezogene Promotionen


Herzlichen Glückwunsch!


Stephanie Ohlberger

Profitieren Schüler von bi(o)lingual? - Konzeption, Durchführung und Evaluation der Wirksamkeit bilingualer Module

Weitere Informationen
Betreuer*innen Prof. Dr. Claas Wegner
Fakultät/Arbeitsbereich Fakultät für Biologie, Biologiedidaktik (Botanik und Zellbiologie)
Datum der Disputation 11.07.2019
Link zur Veröffentlichung https://pub.uni-bielefeld.de/download/2937093/2937094/Dissertation_Ohlberger_2019.pdf
Link zur eigenen Homepage https://www.uni-bielefeld.de/biologie/Didaktik/BotZell/ozhb/forschung-bilinguale-module.html
Abstract

Bilingualer Unterricht in Deutschland – zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich auf eine langanhaltende Erfolgsgeschichte zurückblicken, die insbesondere im letzten Jahrzehnt enormen Aufschwung erfahren hat. Vorteile für Schülerinnen und Schüler durch den bilingualen Unterricht (im europäischen Kontext bekannt als Content and Language Integrated Learning, kurz: CLIL) sind hinlänglich bekannt und seit etwa 20 Jahren auch umfangreich evaluiert. Dabei ging man jedoch meist auf den sprachlichen Nutzen ein, bevor auch der inhaltliche Zugewinn im Bereich der Sachfächer im Fokus stand. Über lange Zeit hinweg wurden Metaphern wie „‘two for the price of one’ and the ‘added value of CLIL’” (Bonnet, 2012b, S. 66) als eine Art Werbeslogan für das Unterrichtskonzept genutzt, ohne über die notwendige Evidenz aus Forschungssicht zu verfügen. Bonnet (2012b) mahnt daher an, nicht blind dem Optimismus zu verfallen, den der bilinguale Unterricht versprüht (Bonnet, 2012b, S. 66). Erst seit kurzem stehen auch emotional-affektive Faktoren im Mittelpunkt der bilingualen Schulforschung, die dadurch insbesondere die Eignung von bilingualem Unterricht für verschiedene Schüler und Schulformen in den Blick nimmt. Die vorliegende Arbeit, eine quasi-experimentelle Fragebogenstudie im eigens gegründeten Projekt bi(o)lingual, knüpft an diesem Punkt an, denn sie kombiniert die Untersuchung der motivationalen Veränderungen mit einer Evaluation der Selbstwirksamkeit und Sprachangst der Schüler. Das Setting ist nicht wie üblich in den bilingualen Profilklassen, sogenannten Zügen bzw. Zweigen, angelegt, sondern nimmt eine deutlich heterogenere Schülergruppe (n = 241) im Biologieunterricht der 10. Jahrgangsstufe in den Blick. Um vergleichende Aussagen treffen zu können, wurden zudem Schüler aus bilingualen Zweigen (n = 89) in die Erhebungen einbezogen. Dieser Aspekt berücksichtigt die Limitationen anderer Studien, die durch die explizite Beforschung bilingualer Zweige die Entstehung des creaming effect (Küppers & Trautmann, 2013; Rumlich, 2016) gefördert haben. Damit ist gemeint, dass in diesen Kursen oftmals die sowieso schon motivierten und sprachbegabten Schüler zu finden sind, die sich durch den bilingualen Unterricht hinsichtlich sprachlicher und fachlicher Kompetenzen noch weiter von monolingual unterrichteten Vergleichsgruppen abheben. In der vorliegenden Studie wurden deshalb Schüler ohne bilinguale Unterrichtserfahrung in der sogenannten Modulform, also einer kurzen bilingualen Einheit, in Biologie unterrichtet. Die Intervention wurde mittels Fragebögen im Pre-Post-Follow-up-Design bezüglich motivationaler Veränderungen sowie Variationen in der schulischen Selbstwirksamkeit und der Sprachangst im Englischen analysiert.


Mario Schmiedebach

Das Potential des Naturwissenschaftsunterrichts für neuzugewanderte Kinder erkennen und für den Übergang ins Regelsystem nutzen

Weitere Informationen
Betreuer*innen Prof. Dr. Claas Wegner, Prof. Dr. Oliver Böhm-Kasper
Fakultät/Arbeitsbereich Fakultät für Biologie, Biologiedidaktik (Botanik und Zellbiologie)
Datum der Disputation 04.07.2019
Link zur Veröffentlichung https://pub.uni-bielefeld.de/download/2936358/2936518/Dissertation_Schmiedebach.pdf
Link zur eigenen Homepage https://www.uni-bielefeld.de/biologie/Didaktik/BotZell/ozhb/projekte-biology-everyone.html
Abstract

Aufgrund aktueller politischer Entwicklungen hat sich die Zahl der neuzugewanderten Schüler*innen [1] im deutschen Bildungssystem in den letzten Jahren stark erhöht (vgl. BAMF 2018: 3) und das Bildungssystem steht vor der Herausforderung, diese Gruppe an Kindern und Jugendlichen in ihrem Deutscherwerb systematisch zu fördern und ihre Integration in das deutsche Schulsystem zu ermöglichen (vgl. Meisterfeld 2016: 1). Um dies zu realisieren wurden an vielen Schulen spezielle Klassen – so genannte „internationale Klassen“, „Willkommensklassen“, „Sprachfördergruppen“ usw. – für die neuzugewanderten Schüler*innen eingerichtet. Der unterrichtliche Fokus liegt in diesen Klassen auf dem Spracherwerb, sodass dort ein hoher Stundenumfang an Deutschunterricht erteilt wird (vgl. Blumberg & Niederhaus 2017: 52); doch neben Sprachkompetenzen ist für den schulischen Erfolg auch die Vermittlung von Fachwissen essentiell, um keine unüberbrückbaren Wissenslücken bei diesen Lernenden entstehen zu lassen und sie auf die Anforderungen des Regelunterrichts vorzubereiten (vgl. Birnbaum et al. 2018: 247). Die Schlussfolgerung daraus ist, dass neben Sprach- auch Fachunterricht in diesen Klassen erteilt werden sollte.

Blumberg und Niederhaus (2017) sprechen dem handlungsorientierten Arbeiten besonderes Potenzial im Hinblick auf Sprachförderung, Selbstbewusstsein und Motivation zu (vgl. Blumberg & Niederhaus 2017: 54), weswegen der Naturwissenschaftsunterricht für solche „internationale Klassen“ im Rahmen der vorliegenden Dissertation untersucht wird. Um dies zu ermöglichen, wurde das Projekt „Biology for Everyone“ entwickelt (Manuskript I), an zwei Partnerschulen in den internationalen Klassen etabliert und in einer qualitativen Längsschnittstudie evaluiert (Manuskript II, III und IV). In leitfadengestützten Interviews werden die Schüler*innen zu drei Zeitpunkten zu deren wahrgenommenen Schulalltag und deren Einstellung zum Naturwissenschaftsunterricht im Projekt befragt. Zudem wurden in einer quantitativen Erhebung die Emotionen im Projektunterricht untersucht (Manuskript V), um Rückschlüsse bzgl. des Projektkonzept zu ziehen. Des Weiteren wurde im Sinne einer Mixed-Methods Studie nach dem exploratory design (vgl. Creswell & Plano Clark 2011: 73f.) ausgehend von den Erkenntnissen aus den ersten beiden Interviewstudien ein Fragebogen entwickelt und in einer ersten Erhebung pilotiert. Dieser stellt vor allem die unterschiedlichen emotionalen Empfindungen im Regelunterricht und in der internationalen Klasse gegenüber (N=81, Manuskript VI).

Die Bewertung des Unterrichts sowie des Projektkonzepts anhand der subjektiven Wahrnehmung der Schüler*innen ist über alle drei Erhebungen hinweg stets positiv (Manuskript II, III und IV). Die Handlungsorientierung ermöglicht den Lernenden ein einfacheres Verständnis der neuen Fachinhalte und ein fachtypischer Wortschatz wird erworben (Manuskript II). Auf emotionaler Ebene überwiegen die positiven Affekte im Fachunterricht des Projekts, wobei themenspezifische Unterschiede messbar sind (Manuskript V). Im direkten Vergleich tendieren Unterrichtseinheiten mit viel Handlungsorientierung dazu, höhere positive Affekte auszulösen, was in weiteren Studien jedoch noch tiefgehender untersucht werden muss. Die ausgewählten Unterrichtsinhalte sind Bestandteil des naturwissenschaftlichen Kernlehrplans, sodass die Lernenden für den Regelunterricht sprachliche und fachliche Hilfen durch das Projekt wahrnehmen (Manuskript III). Dennoch werden viele Hürden beim Übergang ins Regelsystem von den Neuzugewanderten wahrgenommen, wie etwa Sprachbarrieren, Sprechangst, Langeweile und Frustration (Manuskript III). Die Ergebnisse der Fragebogenstudie (Manuskript VI) zeigen, dass die neuzugewanderten Schüler*innen im Regelunterricht frustrierter und gelangweilter sind sowie eine höhere Sprechangst aufweisen. Zudem ist das Interesse an Biologie bei den Schüler*innen des Projekts signifikant höher als bei der Vergleichsgruppe, was die positive Evaluation des Unterrichts unterstützt. In der abschließenden Interviewstudie wird die bisherige Beschulung und die Teilnahme an „Biology for Everyone“ von den Lernenden retrospektiv betrachtet (Manuskript IV). Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Naturwissenschaftsunterricht der Regelklasse nach der Teilnahme am Projekt als einfacher wahrgenommen wird und die Sprechangst dort eine geringere Ausprägung hat als in anderem Fachunterricht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Implementation des Projekts erfolgreich verlief. Über einen Zeitraum von 2,5 Jahren wurde der Unterricht durchweg positiv evaluiert und als hilfreich für die Teilhabe am Regelunterricht wahrgenommen. Dies lässt vermuten, dass Fachunterricht in diesen Vorbereitungsklassen sinnvoll ist und auch auf weitere Fächergruppen, wie z. B. die Gesellschaftswissenschaften, angewandt werden sollte. Bei der Integration in den Regelunterricht sehen sich die Neuzugewanderten mit einer Vielzahl an Problemen konfrontiert; dennoch wird die frühe (Teil-)Integration in das Regelsystem von den Proband*innen als positiv bewertet, da dadurch der Spracherwerb gefördert, Abläufe des deutschen Bildungssystem kennengelernt und die Chancen auf einen Bildungsabschluss erhöht werden.

[1] Bei allen Bezeichnungen, die auf Personen bezogen sind, meint die gewählte Formulierung alle Geschlechter. Im Sinne der besseren Lesbarkeit wird bei zusammengesetzten Wörtern jedoch lediglich die männliche Form verwendet, obgleich diese Formulierungen geschlechtsunabhängig zu verstehen sind (z. B. Schülergruppe, anstatt Schüler*innengruppe). Sofern möglich werden geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwendet (z. B. Lehrperson anstatt Lehrer*in).


Benedikt Hopmann

Inklusion in den Hilfen zur Erziehung. Ein capabilities-basierter Inklusionsansatz

Weitere Informationen
Betreuer*innen Prof. Dr. Holger Ziegler, Prof.in Dr. Birgit Lütje-Klose
Fakultät und Arbeitsbereich Fakultät für Erziehungswissenschaft
Datum der Disputation 29.04.2019
Link zur Veröffentlichung https://pub.uni-bielefeld.de/download/2936393/2936394/Dissertation_Hopmann_2019.pdf
Link zur eigenen Homepage https://www.hf.uni-koeln.de/40818
Abstract

Vor dem Hintergrund des im Rahmen der SGB-VIII-Reform forcierten Vorhabens einer ‚Inklusiven Lösungʻ, die auf die Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung abzielt, wird in der Dissertation die ‚Inklusivitätʻ des Reformvorhabens beleuchtet. Es wird die Frage aufgeworfen, was Inklusion für die Kinder- und Jugendhilfe mit Blick auf das maßgeblich im Fokus der Debatte stehende Handlungsfeld der Hilfen zur Erziehung überhaupt bedeuten kann und soll. Denn Inklusion scheint im SGB VIII-Reformprozess maßgeblich als behinderungsspezifische Angelegenheit ausgewiesen zu werden und wird überwiegend als administrativ-juristische Debatte über die Zusammenlegung von Rechtskreisen geführt. Zur theoretisch-konzeptionellen Klärung der Forschungsfrage werden zunächst verbreitete Inklusions- und Exklusionsdiskurse auf ihre Vorzüge und Blindstellen hin analysiert. Es zeigt sich, dass diese bislang weitestgehend getrennt voneinander geführt werden und inhaltlich unterbestimmt sind. Daher fehlt es insgesamt an einem umfassenderen Verständnis von Inklusion und einer gemeinsamen Informationsbasis. Angesichts des grundlegenden Bedarfs an einer theoretisch-konzeptionellen Auseinandersetzung über Inklusion in den Hilfen zur Erziehung wird dargelegt, dass und inwiefern sich der Capabilities-Ansatz nach Nussbaum als normativer und evaluativer Bezugsrahmen zur Theoretisierung von Inklusion in den Hilfen zur Erziehung heranziehen lässt und eine Pädagogik der Befähigung zu begründen vermag. Um die empirische Anwendbarkeit und theoretisch-konzeptionelle Erhärtung des Ansatzes voranzutreiben, wird die entworfene capabilities-basierte Inklusionsperspektive mit einer, auf der Grundlage empirischer Daten generierten, gegenstandsorientierten Theorie des Untersuchungsgegenstands der Hilfen zur Erziehung verknüpft. Dazu wurden qualitative Expert*inneninterviews (N=15) mit, dem Handlungsfeld der erzieherischen Hilfen zuordenbaren, professionellen Akteur*innen geführt und theoriegenerierend ausgewertet. Es wird herausgearbeitet, dass und in welchen Punkten die capabilities-basierte Inklusionsperspektive die gegenwärtige Inklusionsdebatte in weiten Teilen als unzureichend dechiffriert. Vor diesem Hintergrund wird eine Neujustierung der Zielperspektiven von Inklusion für die Hilfen zur Erziehung im Sinne einer Pädagogik der Befähigung vorgeschlagen.